Medien spekulieren über Wiedereinführung der Wehrpflicht in Serbien
Belgrad/Pristina (APA) - Die gescheiterte Aufnahme des direkten Zugsverkehrs zwischen Belgrad und Nord-Mitrovica am Samstag hat den Konflikt...
Belgrad/Pristina (APA) - Die gescheiterte Aufnahme des direkten Zugsverkehrs zwischen Belgrad und Nord-Mitrovica am Samstag hat den Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo erneut eskalieren lassen. Der serbische Präsident Tomislav Nikolic drohte am Sonntag mit einem serbischen Militäreinsatz im Kosovo. Medien spekulieren indes über eine Wiedereinführung des Wehrdienstes. Laut Umfragen ist die Zustimmung dafür hoch.
Serbien hat die Wehrpflicht Anfang 2011 abgeschafft. Nun wird über eine mögliche Wiedereinführung nachgedacht. Einer kürzlich veröffentlichten Umfrage zufolge würden dies 61 Prozent der Bürger befürworten. Im Dezember wurde der freiwillige Wehrdienst bereits von drei auf sechs Monate verlängert.
Wie der staatliche Rundfunksender RTS am Montag berichtete, wäre die Wiedereinführung des Wehrdienstes eine schwerwiegende finanzielle Frage. Laut dem Sender würden dafür jährlich 70 Millionen Euro benötigt. Ein Militärsprecher hatte Ende Dezember bestätigt, dass im Verteidigungsministerium eine mögliche Neueinführung des Wehrdienstes derzeit in Erwägung gezogen.
Nikolic hatte im Streit um die Wiedereinführung des Zugsverkehrs am Sonntag damit gedroht die Armee einzusetzen. „Wenn Serben umgebracht werden, werden wir die Armee schicken“, sagt der serbische Präsident. Jede Aktion, die nicht im Einklang mit der Verfassung Serbiens sei, werde „schlecht enden“.
Der Personenzug war am Samstagabend auf Anordnung des serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic unweit der Grenze zum Kosovo gestoppt worden, nachdem klar geworden war, dass die Weiterfahrt von der kosovarischen Grenzpolizei und einer Eliteeinheit am Grenzübergang Donje Jarinje verhindert werden würde. In Prishtina war die einseitige Aufnahme des Zugsverkehrs als Provokation empfunden worden - umso mehr, weil auf dem Zug die Aufschrift „Kosovo ist Serbien“ in verschiedenen Sprachen zu lesen war.
Die serbischen Streitkräfte mussten nach dem Kriegsende im Juni 1999 aus dem Kosovo abziehen, eine mögliche Entsendung in die einstige südserbische Provinz wurde seitdem in Belgrad nicht mehr ernsthaft erwogen. Auch nicht im Februar 2008 als der Kosovo einseitig seine Unabhängigkeit verkündete. Der jüngste Staat Europas wurde seitdem von mehr als 100 Staaten anerkannt, allerdings nicht von Belgrad.