Großbritannien setzt nach Brexit auf Trump
London/Washington (APA/Reuters) - Großbritannien setzt nach seinem EU-Austritt auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der neuen US...
London/Washington (APA/Reuters) - Großbritannien setzt nach seinem EU-Austritt auf eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung unter Donald Trump. Premierministerin Theresa May und Trump kündigten am Montag baldige Gespräche über ein Handelsabkommen an.
May stellte sich außerdem hinter ihren Finanzminister Philip Hammond, der ein alternatives Wirtschaftsmodell mit niedrigen Unternehmenssteuern in Erwägung zieht, falls die EU den Briten den Binnenmarkt versperren sollte. May will ihre Linie für die im Frühjahr startenden Austrittsgespräche am Dienstag erläutern. Aus Sorge vor einem „harten Brexit“ brach das Pfund ein.
Trump hatte in einem Interview mit der britischen „Times“ und der „Bild-Zeitung“ gesagt, das Handelsabkommen werde sehr schnell abgeschlossen: „Ich bin ein großer Fan Großbritanniens.“ Man werde hart an einer Vereinbarung arbeiten, die für beide Seiten von Vorteil sei; er werde May gleich nach seinem Einzug ins Weiße Haus treffen. Die Amtseinführung ist am Freitag. „Der Brexit wird sich als großartige Sache herausstellen“, sagte er.
Mays Sprecherin sagte, die Regierungschefin begrüße die Ankündigung Trumps. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte: „Es sind sehr gute Nachrichten, dass die USA sehr zügig ein faires Handelsabkommen mit uns abschließen wollen.“ Trump hatte es in dem Interview klug genannt, dass Großbritannien aus der EU austrete, die „ein Mittel zum Zweck für Deutschland“ sei. Großbritannien wolle seine eigene Identität. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela sagte, entscheidend sei, wie der Austrittsantrag aussehe. Erst dann werde die EU ihre Verhandlungsposition festlegen.
May will sich am Dienstag vor ausländischen Diplomaten, ihrem Verhandlungsteam und anderen hohen Regierungsvertretern zu ihrer Brexit-Strategie äußern. Der formelle Austrittsprozess soll Ende März beginnen. Hammond hatte gesagt, Großbritannien könnte sein Wirtschaftsmodell überdenken. Dies war als Warnung verstanden worden, die Regierung könne der EU mit konkurrenzlos niedrigen Unternehmenssteuern drohen. Mays Sprecherin sagte, die Regierungschefin teile die Auffassung Hammonds. Großbritannien wolle im Geleitzug eines vernünftigen europäischen Steuersystems bleiben: „Aber wenn man uns zwingt, etwas anderes zu tun, weil wir kein gutes Abkommen bekommen, dann sind wird dazu bereit.“
Aus Sorge vor einem harten Brexit ohne Zugang zum EU-Binnenmarkt sackte das britische Pfund mit 1,20 Dollar auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Seit dem Brexit-Referendum im Sommer hat das Pfund zur US-Währung fast 20 Prozent verloren, zum Euro fast 14 Prozent.