Sechs Kalser spielen in Rio für Christus auf
Die Großglocknerkapelle Kals begab sich in Brasilien auf Spurensuche nach ausgewanderten Kalsern und gab auch Konzerte. Unter anderem spielte sie bei der Christusstatue in Rio „Meine Heimat ist Tirol“.
Von Catharina Oblasser
Kals, Brasilien –Es begann mit einer Anfrage, die Toni Huter, Kapellmeister der Großglocknerkapelle Kals, anfangs gar nicht ernst nahm. Ein Brasilianer namens Eike Bach hatte ein Video der Kapelle gesehen und sie per E-Mail zu einem Auftritt nach Brasilien eingeladen. „Doch dann kam Herr Bach nach Lienz, um sich mit mir zu treffen. Und so vereinbarten wir, zum Jahreswechsel nach Brasilien zu reisen“, erzählt Huter. Über München und São Paulo ging es nach Curitiba. Weitere Stationen der Reise waren die Stadt Canoinhas, Iguaçu und Rio de Janeiro. Auch ein Besuch in Dreizehnlinden stand auf dem Programm. Zwei Wochen waren die Kalser unterwegs, sie absolvierten 1500 Kilometer per Bus und fünf Inlandsflüge. Neben den sechs Musikanten waren auch zwei Begleitpersonen aus Kals mit von der Partie.
„Wir sind insgesamt sechsmal aufgetreten, und zwar in deutschen Clubs. In Brasilien leben viele Nachkommen deutscher Auswanderer“, schildert Huter. In Canoinhas gibt es sogar eine Blasmusikkapelle, die mit den Kalsern musizierte. „Es war schön zu erleben, wie wir mit unserer Musik die Zuhörer begeistern konnten.“ Der Bassist der Kapelle führte einen Schuhplattler vor und entführte eine Zuhörerin zu einem Boarischen auf die Tanzfläche. Gespielt wurden Lieder wie „Kalser Boarischer“, „Schönes Osttirol“ oder „Meine Heimat ist Tirol“ – eben jene Hits, die Tonis Onkel Sepp Huter († 2001), Gründer der Großglocknerkapelle, geschrieben hatte.
Nicht vorab geplant war das Ständchen, das die Musikanten in Rio gaben. „Wir fuhren zur berühmten Christusstatue hinauf und entschlossen uns, dort zu spielen“, sagt Toni Huter. Vor dem bekannten Wahrzeichen von Rio gaben die sechs Männer „Meine Heimat ist Tirol“ zum Besten.
In Dreizehnlinden knüpften die Kalser Verbindungen zur Vergangenheit. Die Stadt im Landesinneren, die etwa so groß ist wie Lienz, wurde in den 1930ern von Tiroler Auswanderern gegründet. „Wir wussten, dass damals auch eine 14-köpfige Kalser Familie namens Hanser dorthin ausgewandert ist“, schildert der Kapellmeister. „In Dreizehnlinden konnten wir eine der Töchter der Familie, Theresia Moser, treffen.“
Das Deutsche hat neben der Landessprache Portugiesisch einen festen Platz in Dreizehnlinden. „Allerdings nicht das Hochdeutsche, sondern Tiroler Dialekt. Mit Schriftsprache kann man sich dort nur schwer verständigen“, erinnert sich Toni Huter.
Die Reise war schön, aber anstrengend, sagt Huter. Kein Wunder bei Temperaturen bis 37 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und dichtem Programm. Für den Herbst haben die Kalser schon die nächste Einladung nach Brasilien. Sie sollen in Florianópolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, auftreten.