Umsätze in der Hotellerie geringer angewachsen als Kosten - Studie
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~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA246 vom 16.01.2017 muss der zweite Satz im vierten Absatz richtig heißen: „In diesem untersten Segment liege das Betriebsergebnis (GOP) bei 5 Prozent der Betriebsleistung, im obersten bei 28 Prozent.“ --------------------------------------------------------------------- ~ Wien (APA) - Über die gesamte Hotellerie hinweg sind die Umsätze laut einer Analyse des Branchenexperten Clemens Westreicher für die ÖHV von 2010 bis 2015 zwar um 27 Prozent gestiegen - aber die Kosten kletterten um 29 Prozent nach oben. Der Fachmann hat mehr als 3.000 Bilanzen von Tourismusbetrieben analysiert. Untersucht wurde die Entwicklung der finanziellen Situation nach Bundesländern und Umsatzklassen.
„Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon“, kommentierte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer im Rahmen des ÖHV-Hotelierkongresses 2017 dieses Ergebnis. Für die breite Mitte der Branche sei es 5 vor 12, warnt Reitterer. Es fehle in der mittleren Kategorie an Kapital für Investitionen und Innovationen, das Betriebsergebnis liege der Untersuchung zufolge nur bei 18 Prozent vom Umsatz.
Viele Gesetzesänderungen seien der Branche teuer zu stehen gekommen - etwa die Streichung der Energieabgabenvergütung, die Anschaffung neuer Kassensysteme, die Auflösungsabgabe, die Allergenverordnung, Investitionen in den Nichtraucherschutz. Ab 2016 hätte sich auch die Erhöhung der Umsatzsteuer von 10 auf 13 Prozent, die Verlängerung der Abschreibungsdauer um 7 Jahre und die erhöhte Grunderwerbsteuer in den Bilanzen negativ ausgewirkt. Reitterer forderte daher einmal mehr einen „Belastungsstopp“ für ihre Branche. Schließlich sei die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen von 2010 bis 2015 um 6 Prozent gesunken. Die Politik müsse die Auswirkungen von Gesetzen besser abschätzen.
Dass die Bettenanzahl zuletzt trotzdem stieg, ist auf ein Wachstum einiger großer in der Top-Kategorie zurückzuführen, während „Kleine reihenweise zusperren“, erläuterte ÖHV-Sprecher Martin Stanits. In diesem untersten Segment liege das Betriebsergebnis (GOP) bei 5 Prozent der Betriebsleistung, im obersten bei 28 Prozent.
Österreichs Tourismus genieße in aller Welt „zu Recht“ einen ausgezeichneten Ruf, betonte Reitterer weiters. „Die Betriebe in der internationalen Auslage sind top“, was auch die Branchenanalyse zeige. „Unser Anspruch ist aber, die Nr. 1 bei Innovation und betrieblicher Wertschöpfung in Europa zu werden. Nur so werden wir weiter als Wirtschafts- und Beschäftigungsturbo in Österreich spielen können.“
Vor allem die Top-Betriebe seien auch sehr gut aufgestellt. Deren Kapitalrentabilität liege der Studie zufolge im Durchschnitt bei 13 Prozent. Aber, beklagt Reitterer, sie könnten ihr Potenzial nicht voll abrufen. „Zu viel Zeit, zu viel Geld fließen in Bürokratie, Regulierung und Steuern statt in Marktbearbeitung, Qualität und Human Resources.“ Das gesetzliche Verbot der Ratenparität und die Investitionszuwachsprämie würden diesem Segment zwar helfen, notwendig wären allerdings „endlich Maßnahmen im Bürokratieabbau, eine weitreichende Liberalisierung der Gewerbeordnung und natürlich eine realistische Abschreibungsdauer“.
„Wir werden die Marktbereinigung nur in geordnete Bahnen bekommen, wenn wir für alle Beteiligten tragfähige Perspektiven entwickeln können“, so Reitterer. Die Hürden seien die Aktivierung stiller Reserven, allenfalls Nachversteuerungen, Bankschulden, zu geringe Ertragskraft und Betriebsgröße, nicht zuletzt die Kosten für die Grunderwerbsteuer und fehlende Perspektiven. Eine Chance sieht die ÖHV-Präsidentin in der alternativen Nutzung vieler Immobilien oder allenfalls Grundstücken. Diese seien „Schlüssel zu einer attraktiven Option: Gemeinden benötigen Seniorenwohnheime, Jungfamilien Startwohnungen, Betriebe Mitarbeiterhäuser.“ Reitterer will mit dem Wirtschafts- und dem Finanzministerium, der Tourismusbank ÖHT und den Gemeinden Lösungen finden.
Lob kam von Reitterer zu den Vorschlägen von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zum Mietrecht, insbesondere die vorgeschlagene Begrenzung von Mietzuschlägen und strengere Regularien für die Befristung von Mietverträgen. Dahinter stecke ein löblicher Gedanke. Die Folge könnten aber wiederum mehr Wohnungen für die Sharing Economy (beispielsweise Airbnb, Anm.) und eine Verlagerung von Wertschöpfung und Steuern ins Ausland sein.