Richtig gelagert: So bleiben Lebensmittel lange frisch
Der EU-Rechnungshof rüffelte gestern: Es wird zu wenig gegen die Verschwendung von Lebensmitteln getan. Mit der richtigen Lagerung wird Essbares nicht so schnell zu Müll.
Von Theresa Mair
Innsbruck — Gerade eingekauft und schon reif für die Tonne. Garantiert jedem passiert es das ein oder andere Mal, dass die Tomaten im Kühlschrank braune Flecken bekommen oder die Orangen in der Schüssel ein Eigenleben entwickeln. Manchmal ist das Pech, häufig falsche Lagerung.
Das stinkt einem dann nicht nur persönlich gewaltig, bedenklich sind auch die Müllberge, die aufgrund von Lebensmittelverschwendung entstehen: 760.000 Tonnen Nahrungsmittel werfen die Österreicher laut der Umweltorganisation WWF jedes Jahr in den Müll. Die EU-Kommission schätzt, dass in der Union jährlich 89 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet werden — 179 kg pro Kopf. Der weitaus größte Teil, nämlich 58 Prozent, landet demnach im privaten Hausmüll. Zum Vergleich: Der Handel ist „nur“ für fünf Prozent der Lebensmittelabfälle verantwortlich, die Gastronomie für zwölf.
In einem gestern veröffentlichten Bericht kritisiert der EU-Rechnungshof in Luxemburg das „bruchstückhafte und unzusammenhängende“ Vorgehen der EU gegen Lebensmittelverschwendung. Zudem hätten die „Ambitionen der Kommission im Laufe der Zeit abgenommen“. Der Rechnungshof forderte einen Aktionsplan für die kommenden Jahre sowie eine einheitliche Definition von Lebensmittelverschwendung.
Die Kommission hielt dagegen: „Die EU-Kommission hat es sich zur Aufgabe gemacht, die europäischen Bemühungen im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung anzuführen.“ Bis 2030 solle die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln halbiert werden.
Was auf politischer Ebene schwierig scheint, ist privat mit ein paar Lagerungstipps von Birgit Trenkwalder-Prantl viel leichter. Die Diätologin lehrt an der Fachhochschule Gesundheit (fhg) in Innsbruck, wo die Studierenden u. a. Kompetenzen in Speiseplan-Gestaltung und Lebensmittel-Ökologie erwerben. Richtige Lagerung gehört dazu. Dank Trenkwalder-Prantl hat die TT weitere nützliche Tipps auf Lager:
Salat mag feuchte Essigwickel. Man nehme ein altes Tuch, befeuchte es mit kaltem Wasser und gibt ein paar Spritzer Essig darauf und wickle damit den Salatkopf ein. So bleibt er im Gemüsefach des Kühlschranks länger frisch. Essig vermindert die Keimbildung. Schnittsalat verdirbt schnell, Keime setzen sich an den Schnittflächen fest. Salatgurken sollen nicht in den Kühlschrank.
Saures immer auf Lager. Zitronen werden oft netzweise verkauft. Wenn man eine braucht und vier übrig bleiben, empfiehlt es sich, die restlichen Zitronen auszupressen und den Saft in Eiswürfelbehälter gefüllt einzufrieren. So hat man stets frischen Zitronensaft zur Hand. Zitrus- und Südfrüchte wie Mango und Banane sollen übrigens nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden.
Ein Apfel hält Brot frisch. Mit einem grob geschnittenen Apfel in der Brotdose bleiben die Backwaren länger frisch und saftig. Diätologin Birgit Trenkwalder-Prantl rät außerdem zu einer Brotbox aus Keramik. Plastikboxen und -säcke könnten Fäulnis begünstigen. Wer die Keramikdose aber wöchentlich mit Apfelessig auswischt, verringert die Keimbildung.
Kein kalter Schreck für Eier. Ein Karton voller Eier im Kühlschrank und keine Verwendung in Sicht? „Hartgekochte Eier halten länger als frische und können zur Jause mitgenommen werden“, schlägt die Diätologin vor. Es sei übrigens ein Mythos, dass Eier, die nach dem Kochen kalt abgeschreckt werden, leichter schälbar seien. Das Abschrecken reduziert jedoch die Haltbarkeit.
Kartoffeln scheuen das Licht. Erdäpfel mögen Erde. Deshalb lässt man den Dreck an den Kartoffeln dran und lagert sie in einem dunklen Papiersack an einem kühlen Ort (nicht im Kühlschrank). Karotten soll man ebenfalls erst vor dem Essen waschen. In einem trockenen Tuch halten sie im Kühlschrank sehr gut. Das Grün wird aber gleich abgeschnitten. Es wird zu Suppe oder Pesto.
Äpfel sind Einzelgänger. Äpfel, Tomaten und Bananen verströmen das Reifegas Ethylen, das anderes Obst und Gemüse schnell faulen lässt. Deshalb sollen diese Früchte separat gelagert werden. All diese Sorten können bei Raumtemperatur gelagert werden, Bananen am besten hängend. Tomaten verlieren im Kühlschrank den Geschmack und bekommen Flecken. Fotos: iStock