Ohne Strom und fließend Wasser: Einsiedelei sucht Eremiten
Bis 15. März können sich noch Interessierte für die Stelle des Einsiedlers in Saalfelden im Pinzgau bewerben.
Innsbruck - Wer sich für die Stellenausschreibung der Gemeinde und der Pfarre Saalfelden interessiert, dem sollte bewusst sein, dass er eine lange Zeit auf Fernsehen, Internet, Zentralheizung und sogar fließendes Wasser verzichten muss. Die Stadt im Pinzgau sucht nämlich jemanden, der die Einsiedelei im Ort bewohnt.
„Der Einsiedler sollte eine Verbindung zum christlichen Glauben haben", wird Alois Moser, der Dechant von Saalfelden, im Stellenangebot zitiert. Aber eine klassische Jobbeschreibung gebe es für den "Beruf" des Einsiedlers nicht, Ausbildung und Erfahrung seien zweitrangig.
Keine einsame Stelle
Sehr wohl müsse sich der am Eremitentum Interessierte aber klar sein, dass es keine einsame Arbeit sei. Es kämen sehr viele Einheimische und Gäste auf die Einsiedelei, um die Aussicht zu genießen, zu beten und zu reden.
Die Menschen aus dem Tal kämen zum Einsiedler und würden ihm erzählen, was sie bewegt und bedrückt, steht in der Ausschreibung. "Wir suchen einen in sich ruhenden Menschen, der bereit ist zum Gespräch. Er soll sich nicht aufdrängen. Aber er soll da sein für die Pilger", präzisiert Dechant Moser.
Die Geschichte der Einsiedelei am Fuße des Steinernen Meers reicht über 350 Jahre zurück. Ein Bauernsohn ließ sich als erster in der Höhle nieder, in welcher vorher ein Bild des Heiligen Georgs verehrt wurde. Im 17. Jahrhundert wurde die Höhle zu einer Kapelle ausgebaut, die Errichtung der Klause folgte wenig später.
Für Gottes Lohn
Der neue Einsiedler von Saalfelden soll seine Stelle Mitte April antreten. Bis November soll er in der Klause leben, im Winter ist sie unbewohnbar. Und das alles ohne Bezahlung, für Gottes Lohn sozusagen. Denn Gehalt bekommt der Eremit weder von der Pfarr- noch von der Stadtgemeinde ausgezahlt. (TT.com. bfk)