Europas Leitbörsen vor May-Rede weiter einheitlich im Minus
Frankfurt am Main (APA) - Im Vorfeld der heute anstehenden Rede der britischen Premierministerin Theresa May haben sich die europäischen Lei...
Frankfurt am Main (APA) - Im Vorfeld der heute anstehenden Rede der britischen Premierministerin Theresa May haben sich die europäischen Leitbörsen am Dienstag im Mittagshandel weiter in der Verlustzone präsentiert. Der Euro-Stoxx-50 verlor 22,55 Einheiten oder 0,68 Prozent auf 3.271,98 Punkte.
Der DAX in Frankfurt notierte gegen 12.10 Uhr mit 11.453,34 Punkten und minus 101,37 Einheiten oder 0,88 Prozent. Der FTSE-100 der Börse London sank um 26,61 Zähler oder 0,36 Prozent und steht nun bei 7.300,52 Stellen.
Die um 12.45 Uhr anstehende Grundsatzrede der britischen Premierministerin, in der die Brexit-Pläne der Regierung vorgestellt werden sollen, beherrscht heute das Geschehen am Markt. Britische Medien erwarten von May einen klaren Bruch mit der Europäischen Union, einen sogenannten harten Brexit. Laut einem Bericht des britischen „Telegraph“ werde sich May zum Austritt aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion bekennen. Dies gehöre zu den wichtigsten zwölf Verhandlungszielen, die May in ihrer Rede darlegen werde.
Bereits in Japan hatte sich vor der Rede Verunsicherung unter den Anlegern breitgemacht. Von der Wall Street kamen wegen des feiertagsbedingt handelsfreien Wochenauftakts keine Impulse. Das Pfund geriet indessen deutlich unter Druck.
Die Schwäche der britischen Währung seit dem Brexit-Votum im Juni kam jedoch der Inflation in dem Land zu Gute. Die Teuerungsrate in Großbritannien ist im Dezember um 0,4 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent und damit stärker als erwartet gestiegen. Die aktuelle Rate ist die höchste seit Juli 2014.
Daneben blickten die Anleger vor allem auf neue Daten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Laut dem Institut sind die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten im Jänner um 2,8 Punkte auf 16,6 Zähler gestiegen. Damit erreichte das Konjunkturbarometer den höchsten Stand seit vergangenem Juni.
Auch unternehmensseitig richtete sich der Blick der Anleger nach Großbritannien. Der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) hat die Komplettübernahme seines US-amerikanischen Konkurrenten Reynolds American angekündigt. Die Kaufvereinbarung beläuft sich auf rund 49,4 Mrd. Dollar für die 57,8 Prozent der Reynolds-Anteile, die noch nicht im Besitz von BAT sind. BAT-Aktien fielen um 0,33 Prozent.
Unter Druck standen weiterhin deutsche Autowerte. So sackten Volkswagen um 1,44 Prozent ab, Daimler verloren 1,55 Prozent und BMW gaben 0,94 Prozent ab. Bereits am Vortag gaben die Werte deutlich Terrain ab. Der designierte US-Präsident hatte im Interview mit der deutschen „Bild“ und der britischen „Times“ seine protektionistisch geprägten Ansichten zur künftigen Wirtschaftspolitik bekräftigt und unter anderem Strafzölle für die deutschen Autohersteller ins Spiel gebracht, heißt es bei den Helaba-Analysten.
Dagegen erhöhten sich Renault um 0,53 Prozent. Der französische Autobauer hat im vergangenen Jahr so viele Fahrzeuge verkauft wie noch nie. Der Absatz der Gruppe kletterte um 13,3 Prozent auf 3,18 Millionen Wagen.
Unter den wenigen Gewinnern im Euro-Stoxx-50 waren indessen einige defensiv geltende Versorgertitel. Eni erhöhten sich um 0,97 Prozent und zogen damit an die Spitze im Euro-Stoxx-50. Dahinter rangierten Engie mit plus 0,23 Prozent.
~ ISIN EU0009658145 ~ APA235 2017-01-17/12:12