Steirer wegen Mordes an kranker Ehefrau in Graz vor Gericht
Graz (APA) - Weil er mit der Pflege seiner demenzkranken Frau überfordert war, wollte ein Oststeirer mit seiner langjährigen Gefährtin im Ju...
Graz (APA) - Weil er mit der Pflege seiner demenzkranken Frau überfordert war, wollte ein Oststeirer mit seiner langjährigen Gefährtin im Juli 2016 in den Tod fahren. Sie starb zwei Monate später an den Folgen des Verkehrsunfalls, er überlebte und stand am Dienstag wegen Mordes in Graz vor einem Geschworenengericht. Der 70-Jährige bekannte sich schuldig und erklärte, er habe „nicht mehr weiter gewusst.“
Der Angeklagte war 48 Jahre mit seiner Frau verheiratet, das Paar hat drei Kinder. Nach einer Erkrankung mit Herpes Enzephalitis litt die Frau an Demenz. Seit 2012 musste sie ständig von ihrem Ehemann betreut werden. Die Überforderung führte laut Staatsanwalt Oliver Krenn dazu, dass er sich mit ihr ins Auto setzte und „gezielt und mit hoher Geschwindigkeit“ gegen eine Hausmauer fuhr, um beide zu töten. Zunächst überlebten aber beide, zwei Monate später erlag die Frau ihren Verletzungen. „Bei aller psychischer Belastung, niemand hat das Recht, dem anderen das Recht auf Leben abzusprechen“, betonte der Ankläger.
Verteidiger Gerald Ruhri sprach von einer „menschlichen Tragödie, die juristisch abzuhandeln ist“. Sein Mandant habe alles für seine Frau getan, aber sie sei zunehmend aggressiver und verwirrter geworden. Von den Kindern hatte er keine Hilfe, und so habe er im Sommer 2016 erkannt, „dass er dieses Leben nicht mehr führen kann und will“.
Der 70-Jährige schilderte ausführlich, wie er sich um die Kranke gekümmert hat. Die drei Kinder „haben mich im Stich gelassen, als sie krank wurde“, erzählte er. Also besorgte er den gesamten Haushalt und versuchte, seine immer schwieriger werdende Frau zu versorgen. 2016 wurde ihr Zustand deutlich schlechter, die Frau hatte Probleme beim Essen und wollte keinen Schritt mehr gehen, meistens lag sie im Bett. Am 24. Juli verlangte sie wie schon oft, „nach Hause“ gebracht zu werden. „Ich hab‘ mir gedacht, jetzt mach ich‘s“, schilderte der Angeklagte. Er half seiner Frau beim Anziehen und führte sie zum Auto: „Ich bring dich nach Hause“, sagte er und entfernte die Nackenstützen des Wagens, bevor er Gas gab. Ein Genickbruch sei „ein Sekundentod“, so seine Überlegungen. „Und warum haben Sie sich angegurtet?“, wollte Richterin Susanne Haas wissen. „Das war Pflicht bei uns“, entgegnete der Beschuldigte.
Er fuhr auf die Landstraße, beschleunigte auf 100 km/h und fuhr gegen ein unbewohntes Kellerstöckl. Das Ehepaar überlebte mit Brüchen. Zwei Monate später starb die Frau an den Folgen der Verletzungen. „Sie hat mir furchtbar leidgetan“, meinte der Oststeirer und sprach von einer „Kurzschlusstat“.