Standort Tirol

Vollbeschäftigung birgt neue Herausforderungen

© Dähling

Die Wirtschaftskammer fordert mehr Wertschätzung für Betriebe und arbeitet an einer besseren Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern.

Von Angela Dähling

Schwaz –Der Bezirk Schwaz genießt während der Saison derzeit mit einer Arbeitslosenquote unter vier Prozent quasi Vollbeschäftigung. Was eigentlich Grund zur Freude ist, macht Unternehmern speziell im Tourismus schwer zu schaffen. „Es ist fast unmöglich, unter der Saison einen Koch oder Kellner zu finden“, sagt Martina Entner, Obfrau der Schwazer Wirtschaftskammer und Hotelierin am Achensee. Es sei einfacher, Gäste zu bekommen, als Mitarbeiter zu finden. Wobei das Problem mittlerweile nicht nur die Tourismusbranche betreffe.

Waren einst vor allem die gekündigten Arbeitnehmer auf rechtliche Unterstützung durch die Arbeiterkammer angewiesen, sind es jetzt die Arbeitgeber, die bei der Rechtsberatung der Wirtschaftskammer dafür sorgen, dass Kündigungen von Arbeitnehmern auf der Tagesordnung stehen. Auf die neue Situation müsse man sich einstellen, weiß Entner.

Ob 5-Tage-Woche oder Teilzeit, inzwischen werde im Tourismus fast jeder Arbeitszeitmodellwunsch erfüllt, um Mitarbeiter zu bekommen. „Wir Unternehmer müssen unseren Teil dafür tun, dass wir attraktive Arbeitgeber sind“, sagt die Hotelierin, die sich für die Unternehmer mehr Wertschätzung durch die AK, Gewerkschaft und die Politik wünscht. Ins selbe Horn bläst auch der Tiroler WK-Präsident Jürgen Bodenseer. Beide fordern weniger Kontrollen und Strafen sowie praxistauglichere gesetzliche Reglementierungen, die mit einem Ablaufdatum versehen werden, um sie dann den Gegebenheiten wieder anzupassen. Bodenseer spricht in diesem Zusammenhang die Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen an, die nach Betriebsübergaben umzusetzen sind. „Sie sollten erst nach einer dreijährigen Frist schlagend werden, damit sich der Betriebsnachfolger erst einmal darum kümmern kann, dass der Betrieb weiterläuft“, meint Bodenseer mit dem Verweis auf eine Schwemme von Betriebsübergaben, die demnächst anstehe.

Auch die Sonntagsöffnungszeiten in Tourismusorten gehören laut ihm überarbeitet. So dürfen etwa in Fügen Lebensmittelmärkte aufgrund der Nächtigungszahlen sonntags öffnen, im Nachbarort Uderns dagegen nicht. Hier müsse man regionaler denken.

Mehr Investitionsanreize, mehr Netto für Brutto sind weitere Schlagworte der beiden Kämmerer. Aber auch der Wunsch nach mehr „Miteinander“ wird in puncto Sozialpartner laut. „Wir müssen die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern neu aufstellen und das Kampfbeil begraben. Denn wir sitzen alle in einem Boot – die Bundesregierung inklusive“, sagt Jürgen Bodenseer.