Schulden und Liebe: Raub vorgetäuscht
Mit gerade erst 19 und 20 Jahren drückte gestern am Landesgericht ein serbisches Pärchen die Anklagebank. Das Medienaufgebot hatten sich die...
Mit gerade erst 19 und 20 Jahren drückte gestern am Landesgericht ein serbisches Pärchen die Anklagebank. Das Medienaufgebot hatten sich die beiden im Oktober selbst bestellt. Damals hatte die 19-Jährige als Angestellte eines Wettbüros in der Wilhelm-Greil-Straße nämlich angezeigt, dass sie ausgeraubt worden wäre. Vor Geschäftsschluss sei der Maskierte ins Lokal gekommen und hätte sie mit dem Satz „Gib mir all dein Geld!“ zur Herausgabe der Tageslosung von 8900 Euro gezwungen. Gezwungen deshalb, weil der Unbekannte in seiner Jacke offenbar eine Pistole hatte. Die angedeutete Faustfeuerwaffe war jedoch nur die Hand des 20-Jährigen. Nach weiterer Auswertung des Sicherheitsvideos fiel den Kripo-Beamten zudem sofort auf, dass bei diesem Raub etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Keinerlei Hektik prägte den Überfall. Obwohl dazu Gelegenheit gewesen wäre, hatte der Räuber nicht in die offene Kasse gegriffen und war ruhig stehen geblieben, als draußen ein Polizeiauto vorbeigefahren war. Bei der Angestellten fiel wiederum auf, dass sie dem Räuber nicht einfach die 700 Euro aus der Kasse ausgehändigt hatte, sondern gleich nach hinten zum Tresor gegangen war. Bald schon wurde das „Raubopfer“ eingehender befragt. Bis sich eine Zimmervermieterin bei der Polizei meldete. Diese hatte den jungen Burschen auf den Fahndungsfotos trotz seiner großen Sonnenbrille sofort als ihren weitschichtigen Verwandten erkannt. Von der offenbar um den 20-Jährigen besorgten Dame kam auch der Tipp, dass die Überfallene eigentlich die Freundin des Burschen sei. So war aus dem Verdacht des schweren Raubes (bis zehn Jahre Haft) eine Anklage wegen Veruntreuung, Vortäuschung mit Strafe bedrohter Handlung und falscher Beweisaussage geworden. Hohe Schulden in Serbien waren das Motiv des Burschen: „Die haben sogar schon meine Eltern bedroht!“ Das Mädchen hatte hingegen aus reiner Liebe gehandelt und will für die Komplizenschaft keinen Cent verlangt haben: „Ich liebe ihn heute immer noch!“ Verteidiger Wilfried Plattner wies darauf hin, dass hier auch quasi ein Notstand zur Falschaussage bestand. Zudem sei das Duo unter 21 Jahre alt, geständig und unbescholten. Die bereits rechtskräftige Strafe fiel dementsprechend milde aus: 1440 Euro Geldstrafe für beide. Zudem muss das Pärchen die 8900 Euro Beute zurückzahlen. Das Geld war sofort nach Serbien überwiesen worden.
Drei Jahre Haft fasste hingegen nicht rechtskräftig ein 73-Jähriger aus. Der Innsbrucker hatte den Missbrauch einer Wehrlosen offenbar mit einem Kavaliersdelikt verwechselt. Dazu war es im August gekommen, als ein weiblicher Gast in seiner Wohnung nach der Einnahme von Schlaftabletten ohne Bewusstsein war. Der dazu bis zum Schluss nicht geständige Rentner stieg darauf zu der Frau ins Bett und vergriff sich an ihr. (fell)