Österreich bewirbt sich um Sitz der Europäische Arzneimittelagentur
Wien (APA) - Die Bundesregierung setzt sich für die Ansiedlung der europäischen Gesundheitsagentur EMA (European Medicines Agency, Europäisc...
Wien (APA) - Die Bundesregierung setzt sich für die Ansiedlung der europäischen Gesundheitsagentur EMA (European Medicines Agency, Europäische Arzneimittelagentur) von London nach Österreich ein. Die offizielle Bewerbung soll in den nächsten Tagen an die EU-Gremien versendet werden, Wunsch-Standort ist Wien, hieß es am Dienstag seitens Regierungsvertretern zur APA.
Abgestimmt ist das Vorgehen „engster Kooperation“ mit der Stadt Wien, hieß es. Der ehemalige ständige Vertreter Österreich bei der EU und Ex-Botschafter Gregor Woschnagg wurde damit beauftragt, für die Bewerbung eine Verbalnote an die Institutionen (Kommission, EU-Parlament, Europäischer Rat) sowie an die Mitgliedsstaaten zu schicken.
Die EMA - 1995 gegründet und laut Regierung die zweitgrößte EU-Agentur (mit rund 900 Mitarbeitern) - hat den Auftrag, die öffentlichen Gesundheit und die Tiergesundheit durch Bewertung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln zu schützen und zu stärken. Notwendig wird die Suche nach einem neuen Agentur-Amtssitz wegen des zu erwartenden EU-Austritts Großbritanniens. Die Entscheidung darüber wird einvernehmlich auf Ebene der Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten getroffen und soll bereits in den kommenden Monaten fallen. An den Vorbereitungsarbeiten, die bereits seit Herbst laufen, waren neben Kanzleramtsministerium und Außenressort auch das Bundeskanzleramt, das Gesundheitsministerium und das Wirtschaft- und Finanzministerium sowie die Wirtschaftsagentur Wien für die Stadt Wien beteiligt.
Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) sagte in einem Statement gegenüber der APA, eine Ansiedlung der EMA hätte „jedenfalls positive Effekte für den Wirtschaftsstandort Wien. Die Erfahrung aus England zeigt auch, dass sich zahlreiche neue Unternehmen im Umfeld der EMA angesiedelt haben. Dies würde - neben der Umwegrentabilität, die diese Ansiedlung mit sich bringen würde - einen zusätzlichen Impuls für den Cluster und Start-up Standort Wien bewirken.“ Auch Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) hofft auf die Entscheidung für einen Wiener Standort: „Die Ansiedlung der europäischen Gesundheitsagentur EMA wäre ein sehr gutes und wichtiges Signal für Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich.“
Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verwies darauf, dass sein Ressort - gemeinsam mit dem Finanzressort - bereits unmittelbar nach dem Brexit-Entscheid im Sommer die Bewerbung Österreichs um internationale Agenturen und Unternehmen in London bekannt gegeben hatte. „Der Amtssitz Österreich ist eine Drehscheibe für globale Entwicklungen und mit rund 40 internationalen Organisationen ist Wien ein wichtiger Ort internationaler Begegnungen“, so Kurz in einer Stellungnahme. Man werde sich „mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Österreich in Zukunft auch die neue Heimat der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wird.“ Ziel sei, auch in Zukunft internationale Organisationen nach Österreich zu holen, „um unseren Wirtschaftsstandort proaktiv zu stärken“.
Auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) warb um den heimischen Standort: „Österreich hat eine Reihe von Standortvorteilen zu bieten“, sagte er. Gerade die europäische Bankenaufsicht (EBA) und die europäische Arzneimittelagentur (EMA) sind zwei Institutionen, bei denen Österreich reelle Chancen hat.“