Wirtschaftspolitik

China tritt als Retter des globalen Freihandels auf

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Am Weltwirtschaftsforum Davos polarisierte einer, der gar nicht da war: Donald Trump. Chinas Präsident Xi hielt ein Plädoyer für Globalisierung.

Davos –Ausgerechnet China präsentiert sich heuer am Weltwirtschaftsforum in Davos als Musterknabe der Weltwirtschaft. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, die unter anderem durch Dumpinglöhne und Ideenklau von sich reden macht, tritt dabei als Retter des Freihandels auf. Nein zum Protektionismus, ja zum Freihandel – so lautet die Botschaft, die Staatschef Xi Jinping nur wenige Tage vor der Angelobung des neuen US-Präsidenten Donald Trump der versammelten Wirtschaftselite verkündete.

In blumigen Bildern, für die die chinesische Sprache berühmt ist, warb Xi bei seiner Eröffnungsrede um Vertrauen in sein Land und in die Globalisierung. Es bringe nichts, die internationale Arbeitsteilung für die Probleme in der Welt verantwortlich zu machen, sagte Xi im Hinblick auf Arbeitslosigkeit, Migrationsbewegungen und die jüngsten Finanz- und Schuldenkrisen. Die Weltwirtschaft sei ein Ozean, dem niemand entrinnen könne. Es sei schlicht unmöglich, „den Austausch von Kapital, Technologien, Gütern und Arbeitern zu stoppen“. China werde seine Türen offen halten. Xi verglich das Streben nach Protektionismus damit, sich in einem dunklen Raum einzuschließen: „Wind und Regen bleiben vielleicht draußen, Licht und Luft aber auch“, sagte der chinesische Präsident.

Ohne den designierten US-Präsidenten namentlich zu nennen, griff Xi mit seinen Worten indirekt Donald Trump an. Dieser hatte China wiederholt vorgeworfen, mit seiner Handelspolitik zu massiven Jobverlusten in den USA beigetragen zu haben. So kündigte er im Wahlkampf mehrfach an, Importe aus China mit einem Einfuhrzoll in Höhe von 45 Prozent zu belegen. Trump ist außerdem ein erbitterter Gegner des Freihandelsabkommens für den Pazifikraum (TPP) und drohte Autobauern mit Strafzöllen, sollten sie in den USA Autos verkaufen wollen, die nicht dort gefertigt wurden. Dass gerade China in Sachen Weltwirtschaft jetzt vorprescht, verwundert nicht. Rund um den Brexit und nach den protektionistischen Trump-Äußerungen dürfte die Rolle eines globalen Vorreiters für Freihandel und Globalisierung bald unbesetzt sein.

Kurz nach dem chinesischen Staatschef sprach ein enger Berater von Donald Trump, der frühere Hedgefondsmanager Anthony Scaramucci. Die neue US-Administration wolle „phänomenale Beziehungen“ zu China pflegen, „aber wenn sie an Globalisierung glauben, dann sollten sie uns die Hand entgegenstrecken und symmetrische Vereinbarungen zulassen“.

Bereits am Montagabend sind in Davos die Violinistin Anne-Sophie Mutter, die kolumbianische Sängerin Shakira und der Schauspieler Forest Whitaker für ihren Einsatz für eine bessere Welt mit dem „Crystal Award“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) ausgezeichnet worden. (TT, dpa, APA, Reuters)