Brexit: Deutsche Wirtschaft erwartet weniger Investitionen
London (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaft begrüßt die konkretisierten Brexit-Pläne als Beitrag zu mehr Transparenz, fürchtet aber Wachs...
London (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaft begrüßt die konkretisierten Brexit-Pläne als Beitrag zu mehr Transparenz, fürchtet aber Wachstumshemmnisse. „Wir haben jetzt immerhin mehr Klarheit, was am Ende des Austrittverhandlungen stehen soll“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.
Positiv sei auch, dass „die Diskussion um ein Rosinenpicken“ der Briten mit dem Ziel, Vorteile des EU-Binnenmarktes weiter zu nutzen, ein vorläufiges Ende habe. Allerdings werde das Wachstum in der EU und in Großbritannien leiden. „Der Brexit beschränkt die Wachstumsmöglichkeiten beiderseits der Ärmelkanals“, sagte Treier - und zwar deutlich stärker auf der britischen Seite.
„Man weiß jetzt, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes in der jetzigen Form bleiben wird und kann danach planen“, sagte der Ökonom. Zugleich dürften viele deutschen Firmen nach der Brexit-Entscheidung unter diesen Umständen deutlich weniger auf der Insel investieren.
Ob Großbritannien nach dem EU-Austritt noch drittgrößter deutscher Exportmarkt bleiben werde, hält Treier für fraglich: „Unter diesen Bedingungen wird das schwer werden.“ Der Kuchen für die deutschen Geschäfte mit britischen Partnern werde wohl Kleiner. Die einzelnen Stücke würden aber neu zugeschnitten. Das bedeute, dass einzelne Branche und Regionen, wie zum Beispiel die Finanzwirtschaft am Standort Frankfurt, vom Brexit durch Abwanderung von Firmen aus London profitieren könnten.
Insgesamt aber rechnen die meisten deutschen Firmen in absehbarer Zeit mit höheren Handelshürden für sich in Großbritannien. Wenn das geschehe, werde es nicht nur bei niedrigeren Investitionen auf der Insel bleiben: „Auch die Möglichkeit, dass sich Firmen zurückziehen, hat sich erhöht“.
Sollte es als Folge des britischen EU-Austritts zu Importzöllen und -steuern gegenüber den verbleibenden EU-Ländern kommen, wäre dies nach Treiers Worten ein „negatives Signal für mehr Protektionismus in der Welt“. Sollte die britische Regierung aber die Unternehmenssteuern senken, um attraktiver als Wirtschaftsstandort zu werden, „wäre das nicht gegen das Interesse der deutschen Wirtschaft“.