Trumps Medienmann- Präsidentensprecher mit kompliziertem Kampfauftrag

Washington (APA/AFP) - Bei seinem ersten großen Auftritt als Pressesprecher des neuen US-Präsidenten ging Sean Spicer sogleich auf die Press...

Washington (APA/AFP) - Bei seinem ersten großen Auftritt als Pressesprecher des neuen US-Präsidenten ging Sean Spicer sogleich auf die Presse los. In Anknüpfung an die Wortwahl des Chefs geißelte er die Berichte über angeblich belastende Informationen der Russen über Donald Trump als „Hexenjagd“.

Es war die perfekte Vorlage für seinen Chef, der anschließend bei der Pressekonferenz das Webportal „Buzzfeed“ als „versagenden Müllhaufen“ und CNN als Verbreiter von Falschnachrichten beschimpfte - und einem Reporter des Senders grob das Wort abschnitt.

Die phasenweise turbulente Pressekonferenz der vergangenen Woche hat in der US-Medienbranche die Befürchtungen wachsen lassen, dass Trump - unter tatkräftiger Mithilfe seines Sprechers - seinen Kampf gegen die Medien fortführen und die Berichterstattung behindern will. Spicer hatte sich den CNN-Mann Jim Acosta, der ebenso lautstark wie vergeblich darauf insistiert hatte, eine Frage loswerden zu dürfen, nach der Veranstaltung vorgeknöpft. Er habe Acosta gewarnt, dass er ihn bei einer Wiederholung seines Verhaltens „aus dem Raum entfernen lassen“ werde, berichtete Spicer später.

Die Sorgen in der Medienlandschaft werden noch durch Pläne zur möglichen Verlegung des Briefing-Raums für das Pressekorps verstärkt. Die Begründung des Trump-Teams lautet, dass der bisherige Raum im West Wing des Weißen Hauses mit seinen nur 49 Sitzplätzen zu eng geworden sei. Durch die Verlegung an einen anderen Ort im Bereich des Präsidialamts könne Raum für „Radiotalker und Blogger“ geschaffen werden, sagte Spicer. Dies aber hat den Verdacht geweckt, dass eine größere Zahl von Trump-freundlichen Berichterstattern in den illustren Kreis aufgenommen werden soll.

In jedem Fall werden sich die Korrespondenten dafür wappnen müssen, dass sie es in Spicer mit einem sehr robusten Repräsentanten seines Chefs zu tun bekommen. Der langjährige Sprecher der Republikanischen Partei hat sich auch früher häufiger mit den Medien angelegt. Die „Washington Post“ zitierte einmal eine anonyme Washingtoner Journalistin, die von regelmäßigen telefonischen Schrei-Überfällen Spicers am Telefon berichtete. Ihr kleines Kind fange deshalb immer gleich an zu weinen, wenn es dessen Stimme am Telefon erkenne.

Spicer hat einen extrem komplizierten Job übernommen - nicht nur wegen Trumps feindseliger Einstellung gegenüber den sogenannten Mainstream-Medien. Sondern auch, weil Trump wohl auch künftig seine Kommunikation mit der Öffentlichkeit großteils im Alleingang und ohne Absprache erledigen wird. So hat Spicer zugegeben, nicht im Voraus zu wissen, welche Botschaften sein Chef über Twitter verbreiten wolle. Ihm geht es also nicht anders als den Journalisten, die er künftig regelmäßig informieren soll: In der Früh schaue er als erstes nach, was der Präsident wieder in dem Kurzbotschaftendienst verbreitet habe.

Bei der komplexen Herausforderung, die Kurzbotschaften seines Chefs den Medien plausibel zu machen, wird Spicer aber zumindest von seiner Routine profitieren können. Sechs Jahre lang war er Sprecher der republikanischen Parteizentrale, davor Sprecher für Handelsfragen unter Präsident George W. Bush, Kommunikationschef des Budgetausschusses im Repräsentantenhaus und der Republikaner in der Kongresskammer.

Der aus dem Ostküstenstaat Rhode Island stammende 45-Jährige ist in seinem früheren Job für den US-Handelsbeauftragten wie auch als Marineoffizier der Reserve viel in der Welt herumgekommen. Mit seinem neuen Chef war er früher nicht immer auf einer Linie. In seinem Regierungsjob propagierte Spicer den Freihandel, als Parteisprecher kritisierte er Trumps Verunglimpfung mexikanischer Einwanderer.

Spicer empfahl Trump in der Frühphase des Wahlkampfs auch, seine Rhetorik zu zäumen, „denn Worte haben Gewicht“. Wie sein Auftritt bei der Pressekonferenz zeigt, hat er sich aber inzwischen im Sinne einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit dem neuen Chef die Trump-Rhetorik selber ein Stück weit angeeignet.