US-First-Lady - Inoffizielles Amt mit viel Publicity
Wien/Washington (APA) - FLOTUS - Hinter der Abkürzung für First Lady of the United States steckt kein offizielles Staatsamt, sondern an sich...
Wien/Washington (APA) - FLOTUS - Hinter der Abkürzung für First Lady of the United States steckt kein offizielles Staatsamt, sondern an sich nur die repräsentative Funktion, Gastgeberin im Weißen Haus in Washington zu sein. In der Vergangenheit war das meist die Ehefrau des US-Präsidenten - und spätestens das Medienzeitalter hat die Präsidentengattin fast genauso ins Rampenlicht gerückt wie den Staatschef selbst.
Der Titel First Lady wurde wohl zuerst MARTHA WASHINGTON, Frau des ersten US-Präsidenten George Washington (1789-97) im 19. Jahrhundert quasi im Nachhinein verliehen, ehe auch andere frühere und dann auch lebende Präsidentengattinnen so tituliert wurden. Die meisten First Ladies ab dem 20. Jahrhundert waren trotz der rein zeremoniellen Rolle karitativ oder politisch aktiv oder beides.
EDITH WILSON (1872-1961), First Lady von 1915 bis 1921, entschied, nachdem ihr Mann Woodrow 1919 einen Schlaganfall erlitten hatte, welche politische Materie an ihren Mann gelangte und welche nicht. So prägte sie die politische Agenda. Sie verhinderte, dass der damalige Vizepräsident Thomas R. Marshall das Ruder von ihrem kranken Mann übernahm.
ELEANOR ROOSEVELT (1884-1962), First Lady an der Seite ihres Cousins und Gatten Franklin D. Roosevelt von 1933 bis 1945, trat in zahlreichen Publikationen für die Emanzipation der Frau ein. Vielen Amerikanern war sie seinerzeit durch ihre Zeitungskolumne „My Day“ täglich präsent. Sie war auch gegen die Rassentrennung. Als Witwe fungierte die Nichte von Präsident Theodore Roosevelt (1901-09) als US-Delegierte bei den Vereinten Nationen.
ROSALYNN CARTER (1927- ), First Lady von 1977 bis 1981, nahm sogar an Kabinettssitzungen teil und vertrat ihren Mann Jimmy auch auf Auslandsreisen. Zugleich setzte sie sich für Behinderte ein.
Als politisch aktivste US-First-Lady könnte aber HILLARY CLINTON (1947- ), First Lady von 1993 bis 2001, in die Geschichte eingehen. Sie wurde später Senatorin und Außenministerin. Im November verlor die Demokratin die Präsidentenwahl gegen Donald Trump, so dass sie nicht erstes weibliches Staatsoberhaupt wurde und ihren Ehemann Bill nicht zum ersten „First Husband“ machte. Für sie warb Noch-First-Lady MICHELLE OBA, die erste Afroamerikanerin in dieser Rolle, die auch Initiativen für Bio-Lebensmittel und gegen Fettleibigkeit bei Kindern oder für die Rechte Homo- und Transsexueller ins Leben rief.
Die neue First Lady MELANIA TRUMP nannte 1999 die „sehr traditionellen“ Hausherrinnen des Weißen Hauses BETTY FORD und JACKIE KENNEDY als Vorbilder, sollte ihr Mann Donald jemals zum Präsidenten gewählt werden: Während Kennedy, First Lady von 1961 bis 1963, eher als Mode-Stilikone in Erinnerung geblieben ist, die gerne Pillbox-Hüte trug, das Weiße Haus renovieren ließ und nach der Ermordung von JFK später den griechischen Reeder Aristoteles Onassis ehelichte, vertrat Ford doch klare politische Positionen und setzte Zeichen im Kampf gegen Sozialprobleme: Nach dem unerwarteten Einzug ihres Mannes Gerald ins Weiße Haus infolge des Rücktritts Richard Nixons in der Watergate-Affäre propagierte sie das Recht auf Abtreibung. Nach einer Brustkrebs-OP engagierte sie sich in Sachen Krebsvorsorge. 1982 gründete sie nach eigener Abhängigkeit in früheren Jahren in Kalifornien die Drogen- und Alkoholentziehungsklinik Betty Ford Center.
Mit Ford und PAT NIXON, First Lady von 1969 bis 1974, hat Melania Trump aber die Betätigung als Model gemeinsam. Als gebürtige Slowenin ist Melania Trump zwar die erste Immigrantin als First Lady, aber mit LOUISA ADAMS gab es von 1825 bis 1829 schon einmal eine Präsidentengattin, die nicht in den USA geboren worden war: Als Tochter eines Konsuls und einer englischen Mutter kam Adams in London auf die Welt.
Und welche Art von First Lady wünscht sich der neue US-Präsident Donald Trump? Vielleicht am ehesten eine, wie sie Ronald Reagan mit seiner früheren Schauspielerkollegin Nancy, First Lady von 1981 bis 1989, an seiner Seite hatte. Trump würdigte NANCY REAGAN nach ihrem Tod im März 2016 als „erstaunliche Frau“, die man vermissen werde. Sympathisch wurde sie den Amerikanern aber eher erst als Pflegerin ihres Mannes, als dieser Alzheimer bekam. Zuvor musste sie wegen ihrer glamourösen Feste im Weißen Haus und der Konsultation einer Astrologin auch Kritik einstecken. Dem Schönheitsideal Trumps entsprach sie freilich nicht. Im Jahr 2004 urteilte er laut „Politico“ über Reagans Aussehen: „Sie war niemals sehr schön.“
(S E R V I C E: https://www.whitehouse.gov/1600/first-ladies)
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