Zwischen Pop und Avantgarde: Chaplin und Roedelius in Wien - Popnews
Wien (APA) - *...
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Im weitesten Sinne zwischen popmusikalischen Sphären und experimentellen Ansätzen bewegt sich Christopher James Chaplin: Der jüngste Sohn von Filmstar Charlie Chaplin stellt das auch auf seinem im Vorjahr vorgelegten Debütalbum „Je suis le Tenebreux“ unter Beweis, das beim heimischen Label Fabrique Records erschienen ist. Darauf arbeitet er mit Drone-Wolken ebenso wie mit wiederkehrenden Melodie-Motiven, verfremdet und dehnt den Klangbegriff und offenbart sich als genauer Beobachter jüngerer Errungenschaften im Bereich der Neuen Musik. Live stellt Chaplin das Material am 28. Jänner im Wiener TBA21 vor, wobei er - wie schon auf Platte - vom deutschen Elektronikmusiker Hans-Joachim Roedelius begleitet wird. Der Eintritt zum Konzert ist frei.
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Den Zeitgeist getroffen? Zumindest das allgemeine Thema des neuen Albums von Philipp Poisel ist recht aktuell: Der deutsche Sänger veröffentlicht am 17. Februar nämlich „Mein Amerika“. Dabei steht aber weniger die Politik im Vordergrund, denn ein Land voller Mythen und Hoffnungen. Eine unbestimmte Sehnsucht spricht aus Stücken wie „San Francisco Nights“, die sich musikalisch durchaus im Windschatten von Bruce Springsteen und U2 bewegen - mal weite Räume öffnend, dann wieder den Soundtrack zum gedanklichen Roadtrip bietend. Live stellt Poisel sein Amerika am 5. April in der Wiener Stadthalle sowie am 13. und 14. Juli in Graz und Linz vor.
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Quasi außerhalb üblicher Pop-Begrifflichkeiten hat es sich Wolfgang Möstl mit seiner Band Mile Me Deaf gemütlich gemacht. Seit Jahren wird hier fabriziert, was gefällt, ganz egal, ob sich das in gerade funktionierende Trends einfügen lässt oder nicht. Auch „Alien Age“, das neue, am 3. Februar erscheinende Werk, unterstreicht Möstls kreativen Ansatz der steten Erneuerung: Statt der zuletzt vorherrschenden Gitarren, bestimmen nun Beats und Loops, elektronische Mittel und verfremdete Stimmen das Geschehen. Und inhaltlich sind die zehn hypnotischen Tracks sozusagen ein Abgesang auf die Menschheit, der durch den extraterrestrischen Grundtenor leicht überhöht wird. Insgesamt entstand somit ein klangliches Sammelsurium, das gleichermaßen fasziniert und verstört. Live stellt man das Album am 3. März in der Wiener Sargfabrik vor.
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Den Sommer in den Winter holt Chris Beer: Der österreichische Musiker hat sein neuestes Werk „Lion In The Sun“ genannt, was auch die inhaltliche Ausrichtung gewissermaßen widerspiegelt. So finden sich auf den insgesamt 14 Stücken viele Reggae-Einflüsse, geht es durchaus gesellschaftspolitisch engagiert zur Sache und steht doch ein lockerer Grundgestus im Vordergrund. Der wird mal reduziert-charmant inszeniert („Sunshine“) oder etwas ausgefeilter ausarrangiert („Raindrops“). Live präsentiert Beer seine neue Platte mit dem Jimi D. Orchestra am 11. Februar im Kulturcafe Tachles in Wien.
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Duke Garwood ist ein Vielarbeiter: Seit 2005 hat der britische Multiinstrumentalist bereits sechs Platten veröffentlicht, darunter die hervorragende Kollaboration „Black Pudding“ mit Reibeisenstimme Mark Lanegan. Dass er seinem Kollegen am Mikrofon eigentlich kaum nachsteht, beweist Garwood nun auf seinem neuen Solooutput „Garden of Ashes“: Die am 3. Februar erscheinende Songsammlung ist ganz düsterer Folk und Blues, meist reduziert instrumentiert, aber mit wunderschönen Arrangements verziert. Dass es aber nicht nur dunkle Farben sind, die Garwood auf seiner Palette hat, beweist etwa der entspannte, sogar leicht beschwingte „Sunny Boogie“. Aber grundsätzlich gilt natürlich: Licht aus, Garwood an.