Osttiroler Radler-Familie: In Guatemala geht es steil bergauf
Nach ihrer Fahrt durch den mexikanischen Regenwald, einem Abstecher nach Belize und einer Atempause in Guatemala machte sich die Osttiroler Radfamilie in die Berge auf. Ein Kraftakt: Es geht auf 3600 Meter Seehöhe.
Von Claudia Funder
Mexiko, Belize, Guatemala –Fünfeinhalb Wochen und gut 1200 Kilometer sind verstrichen, seit Petra Stranger, Peter van Glabbeek und ihre Kinder Ben und Esmé von Cancún/Mexiko zu ihrer langen Radreise aufgebrochen sind. Wie die TT berichtete, wird die Tour die Familie aus Außervillgraten durch Zentral-, Süd- und Nordamerika führen. „Wir fühlen uns frei und glücklich“, berichtet Petra. „Das Unterwegssein fühlt sich mittlerweile ganz normal an. Wir leben mit den Basisbedürfnissen und der Natur.“
Ein Erlebnis von bleibendem Wert war die Fahrt durch den Regenwald auf der Halbinsel Yucatán. „Die Route durch Sian Ka’an hat im Internet einen schlechten Ruf und die Einheimischen bezeichneten uns als verrückt“, so Petra zur Wahl dieser Strecke. Tatsächlich wurden die 130 „schrecklichen“ Kilometer dann aber friedlich, schön und ruhig. Die Fauna beeindruckte. „Wir sahen Leguane, Krokodile, Schlangen, Frösche, Schildkröten und viele andere Tiere, die wir nicht kannten“, erzählt Petra. Und wir hörten Brüllaffen – unglaublich laut.“ Esmé war besonders angetan von den „Spinnchen“, die sich mitunter allerdings als handtellergroß erwiesen.
Bekanntschaft machten die Radreisenden aber auch mit Insekten, und das mehr, als ihnen lieb war. Petra: „Mit den Moskitos, Sandfliegen und Ameisen hatten wir ziemliche Probleme.“ Diese hinterließen unzählige juckende Spuren auf Beinen und Händen. Nur die kleine Esmé blieb von den Quälgeistern quasi verschont. Zu schaffen machte auch das tropische Klima. „Es ist unangenehm, wenn einem der Schweiß die ganze Nacht von der Nase tropft“, sagt Petra, die überrascht war, wie gut die Kinder damit klarkamen: „Die Hitze war ihnen total egal, sie jammerten nie.“
Improvisationskunst erforderte das Equipment. „Peter hatte einen Reifenplatzer und unsere Zeltstöcke sind schon viermal gebrochen“, erzählt Petra, die erwähnt, dass man aber stets eine Lösung fand.
Weiter ging es ins Innenland Mexikos. „In Petcacab lud uns eine Maya-Familie ein, im Garten zu zelten.“ Petra, Peter, Ben und Esmé probierten neue Speisen und erlebten auch eine skurrile Gar-Methode. Ein Loch wurde in die Erde gegraben, darin Feuer gemacht und ein Huhn daraufgelegt, das mit Blättern und Erde bedeckt wurde. Die Mayas nennen diesen Vorgang „enterramiento“, das heißt „Bestattung“. Das Ergebnis war übrigens köstlich.
Der Kontakt mit Einheimischen wird stets gesucht. „Begegnungen mit Menschen und Kulturen sind uns wichtig. Es sind oft große Lernmomente, die neue Einsichten bringen. Wir reisen auch, um zu lernen“, erklärt Petra. Die Kinder fanden neue Spielgefährten. Und Ben war bei dem Reisestopp ganz vernarrt in die Baby-Straßenhunde.
Es ging weiter über Chetumal bis nach Altun Ha in Belize, wo die Radfamilie ihre erste Maya-Ruine erblickte. Nach einem traumhaften Aufenthalt in Belize fuhr das Quartett nach Guatemala.
In Poptùn gönnte man sich bei einer deutsch-guatemaltekischen Familie eine Erholungspause. Und hier hielt Peter vor Einheimischen auch den in Osttirol bereits bekannten Vortrag „Radwandern – ein nomadischer Lebensstil“ – auf Spanisch versteht sich.
In Poptùn wurde „Gewicht“ zurückgelassen – Bücher und manch anderes, das nicht mehr gebraucht wird. Gepäck zu reduzieren war nötig, denn die Fortsetzung der Reise führt die Familie aktuell in die Berge Guatemalas. „Der höchste Weg, den wir fahren wollen, liegt auf 3600 Metern Seehöhe“, verriet Petra kurz vor der Abfahrt. „Wir versuchen täglich 1000 Höhenmeter zu überwinden.“ Wo fahren unmöglich ist, wird geschoben. „Wir sind auf Schotterstraßen mit einer Steigung von bis zu 15 Prozent unterwegs.“
Hitze und Moskitos hat man längst hinter sich gelassen. „Es wird deutlich kühler werden, in der Nacht kann es sogar frieren“, weiß Petra. Zur Herausforderung wird zudem nicht nur die teils schlechte, ansteigende Straße, sondern auch die intensive Sonnenstrahlung in dieser Höhenlage werden. Ein Kraftakt wartet, aber sicher auch erneut manch lohnendes Erlebnis.
Die TT wird die außergewöhnliche Tour von Petra, Peter, Ben und Esmé weiterhin redaktionell begleiten und über Neuigkeiten berichten.