Folterer aus libyschem Flüchtlingslager in Mailand festgenommen

Rom/Mailand (APA) - Die Mailänder Polizei hat einen 22-jährigen Somalier festgenommen, der in Libyen ein Flüchtlingslager verwaltet haben un...

Rom/Mailand (APA) - Die Mailänder Polizei hat einen 22-jährigen Somalier festgenommen, der in Libyen ein Flüchtlingslager verwaltet haben und für Morde und Vergewaltigungen verantwortlich sein soll. Der Mann sei von einigen Landsleuten in Mailand erkannt worden, berichteten italienische Medien am Mittwoch.

Die Staatsanwältin wirft dem Somalier Osman M. vier Morde, Entführung, Erpressungen und unzählige Vergewaltigungen von Frauen vor. „In 40 Jahren Karriere habe ich noch nie so einen Horror gesehen“, berichtete die prominente Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini, die Berichte somalischer Flüchtlinge zu den Brutalitäten des Mannes gesammelt hat. Der 22-Jährige wurde von Dutzenden Migranten in Mailand erkannt. Sie seien bereit, gegen ihn auszusagen, hieß es.

Über ein Jahr lang soll der Somalier ein Flüchtlingslager in Libyen betrieben haben, danach habe er an Bord eines Flüchtlingsbootes Sizilien erreicht. Nach einem Aufenthalt in Florenz sei er nach Mailand gelangt. Hier sei er von zwei jungen somalischen Frauen erkannt worden, die er in Libyen vergewaltigt hatte und die ihn anzeigten.

Von jedem Migranten, der nach Europa reisen wollte, soll der Somalier 6.000 Euro kassiert haben. Die Migranten erzählten, sie seien im libyschen Lager unglaublichen Folterungen unterzogen worden, damit ihre Familien so rasch wie möglich für sie zahlten. Wer nicht zahlen konnte, wurde getötet. Sogar mit Elektroschocks soll Osman M. seine Opfer gefoltert haben. Die Opfer warteten bis zu einem Jahr in dem Flüchtlingslager auf die Überfahrt über das Mittelmeer Richtung Europa.