Weltcup-Flair in Kirchberg
Beim stark besetzten FIS-Riesentorlauf empfahl sich Kirchberg für die größere Bühne. Weltcup-Ass Roland Leitinger gewann, Philipp Schörghofer wurde Dritter.
Von Josef Metzger
Kirchberg –Die Postkartenkulisse beim gestrigen FIS-Riesentorlauf in Kirchberg schrie förmlich danach, nach dem Europacup (für 2018 geplant) auch wieder den Weltcup-Tross hier zu begrüßen. Traumhafte Bedingungen, selektive, wenn auch kurze Strecke, trotz Neuschneemassen harte Piste, auf der heimischer Nachwuchs, aber auch Pistenartisten aus Großstädten, dazu der Ski-Exot Kusnezow (17.) aus der russischen Halbinsel Kamtschatka, dem Weltcup-Establishment den Kampf ansagten.
Mit Roland Leitinger triumphierte ein WM-Kandidat, während der Adelboden-Dritte Philipp Schörghofer (3.) ebenso wie der Ötztaler Christoph Nösig (6.) über Fehler im Steilen haderten. Die Tiroler Hoffnung Raphael Haaser vom Achensee, Bruder der Weltcupläuferin Ricarda, schien Richtung Spitze unterwegs, ehe er den Mut zum Risiko mit dem Ausfall bezahlte. Trotzdem erntete er Lob vom Sportdirektor Hans Pum – wie der junge Oberösterreicher Michael Offenhauser (7.), der in der Europacup-Abfahrt auf der Streif zweimal das Netz geküsst, den Schreck aber schnell überwunden hatte. „Ich hätte“, so Pum, „nicht geglaubt, dass er zwei so starke Läufe runterbringt.“
Und kaum jemand hätte wohl gedacht, dass ein schmächtiger Flame namens Sam Maes in diesem Feld als Neunter unter die besten zehn kurven würde.
Sam spricht zwar mit den Eltern flämisch, redet aber sonst Salzburger Dialekt. „Ich bin in Antwerpen geboren, also im totalen Flachland, aber ich bin hier aufgewachsen, mit drei hab’ ich zum Skifahren angefangen, lebe schon lange in Zell am See.“ Der Henrik-Kristoffersen-Fan, der wie sein norwegisches Idol Rossignol fährt, glaubt an seine Perspektiven: „Ich bin ja erst 18 – und in Belgien gibt’s auch den Marchant, der sich leider verletzt hat.“
Auch andere Städter zeigten am Gaisberg auf – etwa der 19-jährige Luca Tanner aus der Mozartstadt Salzburg, der im zweiten Lauf richtig aufgeigte, einen Sprung auf Platz zehn machte. Dafür ärgerte sich der Wiener Felix Ortner über einen dummen Fehler und wurde 21. Die Großstädter träumen von der Skikarriere. Sag niemals nie.
FIS-RTL in Kirchberg
1. Leitinger (AUT) 1:56,41 Minuten, 2. Philp (CAN) + 0,86 Sek., 3. Schörghofer (AUT) + 0,89, 4. Brown (CAN) + 1,01, 5. Jitloff (USA) 1,13, 6. Nösig 1,29, 7. Offenhauser (beide AUT) 1,58, 8. Hrobat (SLO) 1,59, 9. Maes (BEL) 1,66, 10. Tanner 1,71, 11. Pertl 1,79; 12. Hacker + 1,80; 15. Zeiringer 2,36; 16. Ploier 2,48; 18. Rieser 2,76; 20. Erler 3,11; 21. Ortner (alle AUT) 3,39.