Wetter

Minus 20 Grad in Tirol: Kälter als in der Tiefkühltruhe

Es hat einen Zapfen. Und zwar nicht nur in Westendorf im wahrsten Sinne des Wortes – ganz Tirol ist dieser Tage tiefgefroren. Daran wird sich auch bis zum Ende der Woche nicht viel ändern.
© Weichselbaumer

Tirol zittert sich durch die Kältewelle: Der heurige Jänner könnte der kälteste seit Jahren werden. Die eisigen Temperaturen haben auch ihre Auswirkungen auf Mensch und Maschine.

Von Nikolaus Paumgartten

und Marco Witting

Innsbruck –Ein Land wird schockgefroren. Und wer in der Früh aus dem Haus geht, sollte ein Lächeln aufsetzen. Könnte sein, dass man mit der Mimik für ein paar Stunden herumlaufen muss, bis es auftaut. Minus 20 Grad. Das waren in den vergangenen Tagen ganz normale Temperaturen in Tirol. Die gute Nachricht: Der Höhepunkt der Kältewelle ist vorüber. Die schlechtere: Viel wärmer wird es in den kommenden Tagen auch nicht.

Manfred Bauer, Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) in Innsbruck, erklärt: „Heute wird es noch einmal sehr frostig. Im Inntal wird es wieder unter minus zehn Grad gehen.“ Danach komme eine Inversionslage. Sprich: Auf den Bergen wird es in der Nacht nur noch leicht frostig. Im Tal kann es aber am Morgen noch teilweise zweistellige Minusgrade geben. Bisher der kälteste Tag des Jahres war der 6. Jänner in Tannheim, wo minus 26,4 Grad gemessen wurden. Mit der ersten Kälteperiode zu Beginn des Monats und der jetzt anhaltenden Phase liegt man in Tirol meist zwei bis drei Grad unter dem Klimamittelwert. Auf den Bergen sogar fünf bis sechs Grad darunter. „Es dürfte in Tirol also tatsächlich der kälteste Jänner seit elf Jahren werden, da und dort vielleicht sogar der kälteste seit 1987.“ Denn, so sagt Bauer weiter: Ein Ende der kalten Periode ist vorerst noch offen.

Die Auswirkungen der Kälte sind in vielen Lebensbereichen spürbar. Für Menschen und Tiere. Asthmatiker, Migräne-Patienten und Menschen mit Gelenks- oder Herzproblemen spüren das Wetter am eigenen Leib. Das Herz ist durch die eiskalten Temperaturen besonders belastet. Die Gefäße ziehen sich zusammen. Dadurch steigt der Blutdruck. Und letztlich leidet auch die Haut. Sie wird spröde und juckt.

„Es dürfte in Tirol tatsächlich der kälteste Winter seit elf Jahren werden, vielleicht sogar seit 1987. “ Manfred Bauer (ZAMG)
© Andreas Rottensteiner / TT

Da heißt es gut einpacken. Denn der Weg zur Arbeit wird ohnehin dieser Tage schwer und kalt genug. Und jeden Tag stellt sich in der Früh die bange Frage: Springt das Auto an? Die Tiroler Autofahrerclubs sind dieser Tage jedenfalls im Dauereinsatz, wie Ronald Kaplenig, Leiter der Tiroler ÖAMTC-Einsatzzentrale, bestätigt: „Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Arbeitstag haben wir derzeit bis zu dreimal so viele Einsätze.“ Rücken die gelben Engel sonst in Tirol etwa 200-mal pro Tag aus, so verzeichnet die Einsatzzentrale aktuell zwischen 400 bis 600 Pannen täglich. Schwerpunkte nach Bezirken lassen sich dabei nicht ausmachen, auffällig ist aber laut Kaplenig, dass die Osttiroler Autofahrerinnen und Autofahrer offenbar besser mit den Minusgraden zurechtkommen als die Nordtiroler: Die wenigsten kältebedingten Pannenrufe kommen aus Lienz.

Wenig überraschend Spitzenreiter der Einsatzliste: nicht startende Autos. „Bei zweistelligen Minusgraden, wie wir sie in diesen Nächten haben, schafft es die Batterie oft nicht mehr“, erklärt Kaplenig. Vor allem dann, wenn es sich um eine alte oder halbleere Batterie handelt. Wenn möglich, sollten kurze Fahrten vermieden bzw. halbleere Batterien aufgeladen werden. Außerdem rät der Experte dazu, für ausreichend und kältetaugliches Scheibenwasser in der Wischanlage zu sorgen. Bei Fahrtwind kühlt die Scheibe nämlich zusätzlich ab. Wer dann die Scheibenwaschanlage betätigt, dem drohen bei zu wenig Kälteschutz Eisblumen auf der Windschutzscheibe und damit ein gefährlicher Blindflug.

Hochbetrieb herrscht natürlich auch im heimischen Stromnetz. Allerdings gibt es dieser Tage einen „echten“ Winter, wie Klaus Schüller von der Tinetz anmerkt. Es schneit von oben und nicht aus der Kanone. „Der Zuwachs hält sich in Grenzen.“ Auch die Lastspitze (1185 MW vom 28. 11.16) wurde in den vergangenen Tagen nicht geknackt. Gestern erreichte man aber immerhin 1128 MW.