Trump-Regierung: Zirkel aus Steinreichen, Militärs und Hardlinern

Washington (APA/AFP) - Erzkonservative Hardliner, schwerreiche Quersteinsteiger und hartgesottene Ex-Generäle: So sieht das hochumstrittene ...

Washington (APA/AFP) - Erzkonservative Hardliner, schwerreiche Quersteinsteiger und hartgesottene Ex-Generäle: So sieht das hochumstrittene Regierungsteam des künftigen US-Präsidenten Donald Trump aus. Die meisten der Nominierungen muss noch der Senat genehmigen - was aber wegen der Mehrheit von Trumps Republikanern relativ problemlos ablaufen dürfte.

AUSSENMINISTER: REX TILLERSON, 64. Die Ernennung des bisherigen ExxonMobil-Chefs signalisiert, dass Trump es mit der Wiederannäherung an Russland ernst meint. Tillerson kennt den russischen Staatschef Wladimir Putin seit vielen Jahren. Der Texaner, dessen Energiekonzern mit dem russischen Staatsunternehmen Rosneft kooperiert, ist Träger eines russischen „Freundschaftsordens“. In seiner Anhörung durch den Senat bezeichnete er Russland allerdings als „Gefahr“.

VERTEIDIGUNGSMINISTER: JES MATTIS, 66. Der Ex-General hat jahrzehntelange Erfahrungen auf dem Schlachtfeld. Er war unter anderem in Afghanistan und im Irak im Einsatz. In der Truppe wird der Marineinfanterist als „verrückter Hund“ bezeichnet - was als Kompliment gemeint ist. Auch Mattis warnt vor dem russischen Präsidenten Wladmir Putin. Er ist zudem ein Gegner des „Waterboarding“ - Trump hatte die Foltermethode im Wahlkampf angepriesen.

JUSTIZMINISTER: JEFF SESSIONS, 70. Der langjährige Senator ist ein erzkonservativer Hardliner. So opponierte er vehement gegen die Einwanderungsreform des bisherigen Präsidenten Barack Obama. Sessions ist eine Reizfigur besonders für Afroamerikaner. Ihm hängen alte Rassismusvorwürfe an. Bei seiner jetzigen Befragung durch den Senat versicherte er, sich für die Rechte der Schwarzen einsetzen zu wollen.

GEHEIMDIENSTKOORDINATOR: DAN COATS, 73. Die Nominierung des bisherigen Senators ist womöglich eine gute Nachricht für Deutschland. Coats war von 2001 bis 2005 Botschafter in Berlin. Zwar kritisierte er die damalige rot-grüne deutsche Regierung hart für ihre Opposition gegen den Irak-Krieg. Immerhin ist er aber mit den Verhältnissen in Deutschland und Europa gut vertraut. Und auch Coats ist ein Russland-Kritiker.

HEIMATSCHUTZMINISTER: JOHN KELLY, 66. Der Ex-General tritt für eine resolute Absicherung der Grenzen ein. Wie Mattis ist er ein Marineinfanterist und kommandierte Kampftruppen im Irak.

CIA-DIREKTOR: MIKE POMPEO, 53. Der Abgeordnete im Repräsentantenhaus hat schon bisher viel Verständnis für die Belange der Spione gezeigt. Als Mitglied im Geheimdienstausschuss setzte er sich für umfassende Vollmachten der Dienste bei ihren Ausspähungen ein.

NATIONALER SICHERHEITSBERATER: MICHAEL FLYNN, 58. Der pensionierte General und Ex-Chef des Militärgeheimdienstes DIA plädiert für eine rigorose Bekämpfung des islamistischen Extremismus. Angst vor Muslimen hat er als „rational“ bezeichnet. Wegen seiner Verbreitung von Verschwörungstheorien und auch seiner engen Kontakte nach Russland ist Flynn hochumstritten.

FINANZMINISTER: STEVE MNUCHIN, 54. Über den Ex-Spitzenmanager bei Goldman Sachs schafft sich Trump einen kurzen Draht zur Wall Street - gegen die er im Wahlkampf noch heftig polemisiert hatte. Nach 17 Jahren bei der Investmentbank gründete Mnuchin später seinen eigenen Hedgefonds. Der Investor war einer der großen Profiteure der Immobilienkrise. Er hat auch als Hollywoodproduzent reüssiert.

CHEFBERATER IM WEISSEN HAUS: JARED KUSHNER, 36. Der Ehemann der Trump-Tochter Ivanka ist wie sein Schwiegervater ein steinreicher Immobilienunternehmer. Er hatte entscheidenden Anteil an Trumps Wahlsieg, indem er die Kampagne in den sozialen Netzwerken organisierte. Obwohl außenpolitisch völlig unerfahren, soll er sich um Themen wie die Handelsverträge und den Nahen Osten kümmern.

CHEFSTRATEGE: STEPHEN BANNON, 63. Der Ex-Chef der Website „Breitbart“ ist das vielleicht größte Schreckgespenst der Trump-Gegner. Der ultrarechte Scharfmacher hat über seine Publikation brutalste Polemik und wildeste Verschwörungstheorien verbreitet. Auch Bannon arbeitete früher für Goldman Sachs, davor war er Marinesoldat.

STABSCHEF: REINCE PRIEBUS, 44. Der bisherige Parteivorsitzende der Republikaner ist ein Pragmatiker und Moderater. Seine engen Kontakte zum Kongress sollen Trump nützlich werden.