Kreditversicherer Euler Hermes erwartet weltweit mehr Insolvenzen
Hamburg/Wien (APA/dpa) - Erstmals seit sieben Jahren werden die Firmenpleiten in diesem Jahr weltweit wieder zunehmen. Das geht aus einer am...
Hamburg/Wien (APA/dpa) - Erstmals seit sieben Jahren werden die Firmenpleiten in diesem Jahr weltweit wieder zunehmen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des führenden Kreditversicherers Euler Hermes hervor. Danach steigt die Zahl der Insolvenzen weltweit um ein Prozent.
Die größten Steigerungen erwartet Euler Hermes in Lateinamerika (plus zwölf Prozent), Afrika (neun Prozent) und Asien-Pazifik (sechs Prozent). Zwar wachse die Weltwirtschaft um rund 2,8 Prozent, doch sei das Wachstum nicht stark genug, um den Anstieg der Insolvenzen zu verhindern.
„Der Anstieg ist mit einem Prozent zwar relativ moderat“, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs.“ Fast unbemerkt unter der Wasseroberfläche liege ein beunruhigender Trend zu deutlich steigenden Schäden durch Pleiten. Allein in den ersten drei Quartalen 2016 seien 45 Prozent mehr Großinsolvenzen zu verzeichnen, die zu einem negativen Schneeballeffekt führten.
Für Deutschland erwartet Euler Hermes in diesem Jahr stagnierende Insolvenzzahlen bei ebenfalls steigenden Schäden. Hinzu kämen steigende Exportrisiken. Bei drei der fünf wichtigsten deutschen Handelspartner würden die Fallzahlen in diesem Jahr ansteigen, am stärksten in China (plus zehn Prozent), aber auch in Großbritannien (fünf Prozent) und den USA (ein Prozent).
Laut der Euler-Hermes-Österreich-Beteiligung Prisma sind besonders insolvenzgefährdete Branchen hierzulande die Bauwirtschaft sowie die Maschinen- und Metallindustrie. Rückläufige Auftragseingänge und Verzögerungen beim Abschluss von neuen Projekten würden einigen Anlagenbauern, aber auch den Mittelbetrieben in der Bauwirtschaft zu schaffen machen. „Insbesondere, wenn sie den Schritt in die Digitalisierung noch nicht begonnen haben“, so Prisma-Risikoexpertin Marina Machan am Mittwoch in einer Aussendung.
Im Jahr 2016 gab es mit plus 1,5 Prozent einen leichten Anstieg bei Firmeninsolvenzen in Österreich. Besonders in der Steiermark und Kärnten mussten laut Prisma wirtschaftlich bedeutende Traditionsunternehmen Insolvenz anmelden, unter anderem die Steirerfrucht-Gruppe, Vogel & Noot Landmaschinen, die Spinnerei Borckenstein, Reifen Ruhdorfer und Kresta Anlagenbau.