Hintergrund

Sorgen um Abwandern weiterer Autokonzerne aus Mexiko

Teresa Contreras verlor ihren Job als Reinigungskraft in der nun auf Eis gelegten Ford-Fabrik.
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Die Automobilbranche ist im Norden Mexikos ein Treiber für Wachstum geworden. Nachdem Ford nun ein Projekt gestoppt hat, geht die Sorgen um, dass andere Autobauer dem Beispiel folgen könnten.

Villa de Reyes, Washington – Die Dorfbewohner im kargen Norden Mexikos sind die ersten, die unter den Angriffen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf den Welthandel leiden. Wie ein nacktes Gerippe ragt in der Stadt Villa de Reyes der unfertige Rohbau einer Autofabrik empor.

Ford wollte tausende Jobs in der Gegend schaffen, doch stoppte das Projekt plötzlich - nach Trumps Drohungen mit Strafzöllen für Autos, die im Ausland produziert wurden.

Dass das Projekt zu den Akten gelegt wurde, schürt in Mexiko Sorgen, dass auch weitere Unternehmen aus dem Land flüchten könnten. Dabei ist gerade die Automobilbranche dort zu einem Treiber für Wachstum geworden. Sie steht für drei Prozent der Wirtschaft des Landes und hat Regionen wie den Bundesstaat San Luis Potosi, in dem Villa de Reyes liegt, grundlegend verändert.

„Dieser Typ in den USA zieht die Schrauben an“

Während Ford zwar betont, eine unternehmerische Entscheidung getroffen zu haben, machen die meisten Mexikaner Trump verantwortlich. Vehement droht er Autobauern weltweit mit Strafzöllen, sollten sie nicht in den USA produzieren.

„Dieser Typ in den Vereinigten Staaten zieht die Schrauben an“, sagt Concepcion Segura. Der 54-Jährige, seine Frau und vier ihrer Söhne verloren ihre Jobs auf der Baustelle der Ford-Fabrik. „Er hat uns Ford weggenommen, um es für sich zu behalten.“

Jeder zweite Bewohner in San Luis Potosi lebte 2014 in Armut. Die Lage hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, seit sich der Bundesstaat zu einem Zentrum der Autoindustrie entwickelt hat. Nun drohe dasselbe wie früher - „Engpässe und wenig Arbeit“, vermutet Segura.

General Motors ist seit 2008 in San Luis Potosi tätig. Der Autobauer und unzählige andere internationale Unternehmen hatten das Schicksal in dem Bundesstaat gewendet. Nahe den Fabriken entstanden etliche Wohnungen für Arbeiter und ihre Familien. Kleine Hotels für anreisende Manager entstanden entlang der Schnellstraße, an der nun die verlassene Ford-Fabrik steht.

Eigentlich sollte das Werk 2018 seinen Betrieb aufnehmen. „Wir sind sehr gut gewachsen, aber mit Ford sollte sich das Wachstum beschleunigen“, sagt der für Entwicklung zuständige Minister des Bundesstaates, Gustavo Puente. Durch die Entscheidung, den Bau der Fabrik zu stoppen, gingen in San Luis Potosi direkt 2.800 Jobs verloren.

Hoffen, dass andere nicht dem Beispiel Ford folgen

Mexikanische Verantwortliche setzen zwar darauf, dass andere Unternehmen nicht dem Beispiel Fords folgen. Doch zuletzt kündigte am Dienstag General Motors an, in den USA massiv zu investieren und dort neue Jobs zu schaffen; 450 Stellen sollen aus Mexiko in die USA zurückverlagert werden.

Dabei hat die Automobilindustrie in San Luis Potosi den vergangenen Jahren gebrummt. Die Produktion verdreifachte sich, seit das Freihandelsabkommen Mexikos mit den USA und Kanada (Nafta) in Kraft ist - von 1,1 Millionen im Jahr 1994 auf 3,8 Millionen im vergangenen Jahr.

Ob es damit nun bergab geht? Es sei zu früh, das zu sagen, meint Gunter Daut, Vizechef für Mexiko beim deutschen Autoteilehersteller Bosch. „Wir sollten nicht zu alarmiert sein“, sagt Luis Caballero vom Zulieferer TI Automotive. Immerhin hat sich BMW erst kürzlich zu seinem geplanten Werk in San Luis Potosí bekannt. Dort soll ab 2019 die BMW 3er Limousine gebaut werden.

Trotzdem sind die einfachen Arbeiter mehr als verunsichert. Teresa Contreras verlor ihren Job als Reinigungskraft in der nun auf Eis gelegten Ford-Fabrik. Ihr sei eigentlich eine Anstellung für vier Jahre versprochen worden. „Jetzt waren es nur vier Monate“, klagt die 34-Jährige. (APA, AFP)