Grazer Langzeit-Stadtrat Rüsch nahm zum „besten Zeitpunkt“ Abschied

Graz (APA) - Mit der auslaufenden Legislaturperiode in Graz wird sich ein langjähriger ÖVP-Stadtrat zurückziehen: Gerhard Rüsch war seit 200...

Graz (APA) - Mit der auslaufenden Legislaturperiode in Graz wird sich ein langjähriger ÖVP-Stadtrat zurückziehen: Gerhard Rüsch war seit 2001 in knapp der Hälfte aller Kommunal-Abteilungen aktiv und seit 2008 u.a. für Finanzen zuständig. Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) verabschiedete den „Sir“ der Grazer Politik am Mittwoch mit einem steirischen Schottenrock - wie es sich für einen Sparmeister gehöre.

Nagl kündigte an, dass er künftig die Agenden seines Finanzstadtrates wieder selbst übernehmen möchte. Der Grazer ÖVP-Chef war von 1998 bis 2003 bereits für Finanzen zuständig. Er würdigte Rüsch als einen Experten, der viel aushalten musste: „Er wurde etwa bei der Verlängerung der Straßenbahnlinie 6 mit Eiern beworfen.“ Auf den Rat des gebürtigen Vorarlbergers wolle der Bürgermeister in Zukunft nicht verzichten.

Rüsch meinte, er habe keinen Tag bereut, für die ÖVP in die Politik gegangen zu sein. Er gab in seiner vorerst wohl letzten Pressekonferenz einen Rückblick auf seine 16 Jahre in Graz. Während seiner Politiker-Zeit hat sich in der steirischen Landeshauptstadt viel getan: das Kunsthaus, die Listhalle, die Stadthalle sowie die neue Halle A der Messe wurden eröffnet, in der Parkraumbewirtschaftung wurden neben den blauen auch die grünen Zonen eingeführt, das sogenannte Haus Graz mit Magistrat und Beteiligungen wurde gegründet, neben der Linie 6 wurden auch die Linie 4 und 5 verlängert, der denkmalgeschützte „Eisbunker“ erfuhr eine Sanierung, die Großkläranlage Gössendorf ging in Betrieb und 500 Gemeindewohnungen wurden errichtet.

Pro Jahr seien seit 2008 laut Rüsch durchschnittlich 130 Mio. Euro vom „Haus Graz“ (ohne Energie Graz und Immobilientransaktionen, Anm.) in Investitionen für die Stadt geflossen. Kumuliert ergebe sich eine Summe von gut 1,0 Mrd. Euro. Für diese Investitionssumme sei „nur“ ein Fünftel, umgerechnet rund 207 Mio. Euro, mit Krediten gestemmt worden. Insgesamt liegt der Schuldenstand der Stadt Graz bei mehr als 1,1 Mrd. Euro. Laut Rüsch dürften für das Jahr 2016 nicht mehr als 5 Mio. Euro an neuen Verbindlichkeiten hinzukommen. Die endgültige Bilanz liege aber noch nicht vor.

Rüsch sprach von Wachstum in mehreren Bereichen: Seit 2008 plus 9 Prozent bei der Bevölkerung, plus 29 Prozent an Kommunalsteuer, plus 36 Prozent bei den Gästenächtigungen und plus 20 Prozent Unternehmen. „Es ist der beste Zeitpunkt, um Abschied zu nehmen“, sagte der Finanzstadtrat mit einem „weinenden Auge“. Er und seine Frau seien in den Jahren „echte Grazer Bürger“ geworden und wollen daher auch in der Stadt bleiben.

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