Zug-Streit - Vucic rief Spitzenpolitiker zum Schweigen auf

Belgrad (APA) - Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic sieht sich angesichts der jüngsten Spannungen mit dem Kosovo einmal mehr gezwu...

Belgrad (APA) - Der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic sieht sich angesichts der jüngsten Spannungen mit dem Kosovo einmal mehr gezwungen, seine Kollegen in Regierung und Staatsspitze zur Zurückhaltung aufzufordern. Konkreten Anlass lieferte Präsident Tomislav Nikolic, der im jüngsten Zug-Streit mit Prishtina mit dem Einsatz der Armee im Kosovo gedroht hatte.

In einem Schreiben an seine Minister und alle Staatsfunktionäre forderte Vucic diese nun auf, es künftig ihm „als einzigen“ zu überlassen, „die Beziehungen in der Region“ zu kommentieren. Aus dem Brief zitierte die serbische Tageszeitung „Blic“ am Mittwoch. Deutliche Worte zu dem jüngsten Konflikt fand der serbische Regierungschef auch öffentlich: „Waffen müssen wir und sie (Kosovo) vergessen,“ sagte er gegenüber einem serbischen TV-Sender am Dienstagabend. Zugleich erklärte er sich bereit, ein Rotes Telefon für den direkten Kontakt nach Prishtina einzurichten, um künftig Probleme wie den Zug-Zwischenfall am vergangenen Wochenende zu vermeiden.

Anlass für den Streit lieferte die von Serbien einseitig organisierte Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Belgrad und der im Kosovo gelegenen Stadt Nord-Mitrovica nach 18 Jahren. Der Personenzug war am Samstag auf Anordnung des serbischen Ministerpräsidenten Vucic kurz vor der Grenze gestoppt worden, nachdem klar geworden war, dass die kosovarische Grenzpolizei die Einreise nicht zulassen würde. Der Kosovo hatte die nicht abgesprochene Zugfahrt des noch dazu propagandistisch bemalten Zuges als Provokation empfunden. Auf der Außenseite des Zuges stand auf den serbischen Nationalfarben in großen Lettern und in mehreren Sprachen: „Der Kosovo ist Serbien“.

Die serbische Verkehrsministerin Zorana Mihajlovic kündigte unterdessen an, dass der umstrittene Zug künftig auf einer serbischen Lokalstrecke verkehren werde. In Richtung der früheren Provinz Kosovo, dessen Unabhängigkeit Belgrad nicht anerkennt, soll der Zug demnach nicht mehr zum Einsatz kommen.

Die harschen Drohungen des Staatspräsidenten wurde in Belgrad unterdessen als Versuch gewertet, sich mit nationalistischen Tönen vor den für April geplanten Präsidentschaftswahlen für eine zweite Amtszeit in Stellung zu bringen. Bisher hat der prorussisch auftretende Nikolic noch nicht die offizielle Unterstützung der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) erhalten.