Pearson-Verlag schwächelt - Partner Bertelsmann will Penguin-Paket
London/Gütersloh (APA/dpa/Reuters) - Der britische Verlag Pearson hat wegen schwächelnder Geschäfte vor allem in den USA seine Gewinnziele f...
London/Gütersloh (APA/dpa/Reuters) - Der britische Verlag Pearson hat wegen schwächelnder Geschäfte vor allem in den USA seine Gewinnziele für 2017 und 2018 drastisch gesenkt. Die Aktie des 173 Jahre alten Traditionshauses stürzte am Mittwoch um 26 Prozent ab und notierte damit vorübergehend auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009.
„Der Bildungssektor erlebt derzeit eine noch nie dagewesene Phase der Veränderung und Schwankungsanfälligkeit“, sagte Pearson-Chef John Fallon. Die Bildungssparte habe 2016 weiter und überraschend deutlich an Schwung verloren. Man arbeite daran, die Kosten an die ökonomische Realität anzupassen.
Die Briten planen eine geringere Dividende für das laufende Jahr. Der operative Gewinn dürfte nach Firmenangaben um rund 180 Mio. Pfund (207,40 Mio. Euro) niedriger ausfallen als noch vor Jahresfrist angepeilt. Nun erwartet Pearson nur noch eine Summe zwischen 570 Mio. und 630 Mio. Pfund. Für 2018 kassierte der Verlag seine Gewinnprognose komplett.
Pearson erwägt unter anderem einen Verkauf seines 47-Prozent-Anteils am weltgrößten Buchverlag Penguin Random House. An dem Gemeinschaftsunternehmen ist Bertelsmann mit 53 Prozent beteiligt. Die Deutschen bekräftigten umgehend ihr Kaufinteresse. „Wir sind offen, unsere Anteile an Penguin Random House aufzustocken, sofern die wirtschaftlichen Konditionen angemessen sind“, erklärte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. „Das Buchverlagsgeschäft ist für Bertelsmann seit mehr als 180 Jahren identitätsstiftend, es ist unser ältestes Kerngeschäft.“
2013 hatten Bertelsmann und Pearson ihre Buchgeschäfte Random House und Penguin zu einer neuen Gesellschaft zusammengelegt. Die Gütersloher hielten dabei von Anfang an die Mehrheit von 53 Prozent und stellten mit Thomas Dohle den Vorstandsvorsitzenden. Die damalige Vereinbarung sah ab dem 1. Jänner 2017 eine Ausstiegsoption für Pearson vor. Bertelsmann hatte von Anfang an Interesse an einem Teil der Pearson-Anteile gezeigt. Die vollständige Übernahme steht derzeit nach Informationen aus Verlagskreisen aber nicht zur Diskussion.
Autoren von Penguin Random House mit Sitz in New York sind etwa John Grisham, Ken Follet und Paula Hawkins. Zu der Gruppe gehören laut Bertelsmann rund 250 redaktionell unabhängige Einzelverlage, die jährlich mehr als 15.000 neue Bücher veröffentlichen. 2015 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 3,7 Mrd. Euro. Die Verlagsgruppe Random House in Deutschland ist nicht Bestandteil, sie gehört bereits vollständig zum Bertelsmann-Konzern, der 2015 mit 117.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,1 Mrd. Euro erzielte.
In einem Interview im Bertelsmann-Intranet betont Rabe, dass New York weiterhin die Zentrale des weltweiten Buchgeschäftes bleiben werde. „Und wir werden alles tun, um dieses Geschäft zu weiterem Wachstum zu führen - das gilt in jeder nur denkbaren neuen Gesellschafterstruktur“, schrieb er an die Mitarbeiter. Mit einer Aufstockung könnte Bertelsmann laut Rabe nicht nur das Inhaltegeschäft stärken, sondern auch die Präsenz in den USA - dem für Bertelsmann zweitgrößten Markt - erhöhen.
Zu Bertelsmann mit Sitz in Ostwestfalen zählen neben dem Buchverlagsgeschäft Europas größte Fernsehgruppe RTL, der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Dienstleister Arvato sowie eine Musikrechte-, Bildungs- und Investitionsgruppe.
~ WEB http://www.bertelsmann.de/ ~ APA314 2017-01-18/13:00