TT-Interview

Diana Langes: „Hallo? Spinnts ihr? Fußball ist mein Leben!“

WSG-Präsidentin Diana Langes schmiedet große Pläne, ein Aufstieg entscheidet über das Tempo.
© Julia Hammerle

Wattens-Präsidentin Diana Langes sorgt sich nicht um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga. Vielmehr denkt die 44-Jährige an größere Ziele.

Haben Sie über die Feiertage Ihre Akkus aufladen können?

Langes: Für mich persönlich gesprochen: auf jeden Fall. Ich hatte ein wenig Urlaub und ungewohnt viel Zeit für meine Familie. Aber die Feiertage sind ja für jeden – für Spieler, Trainer und Mitarbeiter – eine kleine Verschnaufpause zwischen zwei anstrengenden Jahresabschnitten.

Wie intensiv war der vergangene Herbst für Sie?

Langes: Es war spannend, aufregend, euphorisch, aber manchmal auch ein echter Drahtseilakt.

Der Tabellenstand weist Ihre Mannschaft auf einem achtbaren Platz aus, Ruhekissen ist der Punktestand keiner. Wie groß ist Ihre Sorge, dass man sich wieder Richtung Amateurfußball orientieren müsste?

Langes: Dieser Gedanke existiert in unseren Köpfen nicht. Nicht in meinem, nicht bei unseren Spielern. Im Gegenteil: Wir sind auf einem Niveau angekommen, auf dem wir solide spielen können, und in einer Liga, in der es Luft nach oben gibt.

Sind die Transferbemühungen mit Florian Mader abgeschlossen bzw. welcher Typ Spieler würde noch gesucht?

Langes: Florian ist bekanntlich schon seit Anfang Jänner fester Bestandteil unseres Kaders, eine kluge Entscheidung unseres Sportmanagers, ich freue mich sehr darüber! Ob wir noch jemanden suchen, und wenn ja, wen ... das lege ich, wie immer, vertrauensvoll in die Hände von Stefan Köck.

Der Fußball ist nicht kalkulierbar. Sollte man mit dem Abstieg konfrontiert werden, würde das an Ihrer Begeisterung und Ihren Visionen wohl nichts ändern …

Langes: Wenn man mich jetzt sehen könnte, würde ich mir gegen die Stirn tippen und sagen „Hallo? Spinnts ihr? Fußball ist mein Leben!“ Also: nein. Wir würden uns wieder aufraffen, wieder kämpfen und wieder siegen.

Man erlebt Sie als lebhaften Menschen auf der Tribüne. Was stellt im mittlerweile vierten Jahr Ihrer Tätigkeit die Triebfeder dar?

Langes: Das, was von den Fans zurückkommt. Wir sind ein kleiner Verein, eine kleine Gemeinde, aber was hier an emotionaler Energie herrscht, ist unvergleichlich. Und damit meine ich ausdrücklich positive Energie. Wenn Fans ihren grün-weißen Verein feiern, gibt es Freudentränen statt blaue Augen. Und für mich ist es das Schönste, mittendrin zu sein.

Mit welchen Gefühlen betrachten Sie das Geschehen beim FC Wacker Innsbruck, wo das Geld derzeit offensichtlich an allen Ecken und Enden fehlt und Diskussionen über Förderungen entbrennen?

Langes: Ich betrachte das objektiv aus der gegebenen Ferne zwischen Innsbruck und Wattens – ein Sport, ein Adler, aber zwei Vereine, zwei unterschiedliche Administrationen, zwei unterschiedliche Philosophien und zwei unterschiedliche Arten der Vereinsführung.

Sind Sie mit Ihrem öffentlichen Fördervolumen mittlerweile zufrieden? Eine zweite Tranche über 100.000 Euro entspricht möglicherweise nicht dem, was Sie sich erhofft haben – oder sehen Sie das als Entwicklungsprozess?

Langes: Nach wie vor bin ich für Gleichheit, doch wir haben es geschafft, jede Zuwendung effizient zu investieren.

Sie stellten klar, dass die Landespläne zur engen Vereinskooperation nicht in Ihrem Sinn sind. Was haben Sie vor, sollte beim Gipfel mit dem Land im Februar keine für Sie passende Lösung zustande kommen?

Langes: Dass das Thema „Fusion“ oder „Kooperation“ für die WSG nicht zur Diskussion steht, ist bekannt. Die WSG verfügt jedoch über sehr viele Stärken, personell und strukturell, die wir auf jeden Fall auszuspielen wissen.

Welche Phase steht in Sachen Infrastruktur als Nächstes am Programm?

Langes: Das Gernot-Langes-Stadion zum Wattener „Schmuckkaschtl“ machen.

Die WSG Wattens optimiert an allen Ecken und Enden. An welchen Schrauben dreht man aktuell?

Langes: Da wir auf Eigenmittelbeschaffung und -finanzierung angewiesen sind, müssen wir zwangsläufig immer optimieren und die Stellschrauben neu ausrichten. Zu meinem großen Glück habe ich einen klugen Vorstand, der sich kompetent zusammensetzt. Unser Ziel ist, dass sich diese Kompetenz auch über den Vorstand hinaus fortsetzt. Ob in der Geschäftsstelle, im Team, im Vorstand oder bei den Trainern: Überall braucht man eine gute Mischung aus Denkern, Machern, Antreibern und Repräsentanten.

Sie traten das Erbe Ihres Vaters Gernot Langes an. Was meint der FC-Tirol-Mäzen zu Ihrem Auftritt im Bundesliga-Fußball?

Langes: Er ist stolz auf mich. Aber noch viel stolzer bin ich auf ihn.

Tut sich auf Sponsorebene was? Wird sich das Budget auch in der Saison 2017/18 um die 2,5 Mio. Euro einpendeln?

Langes: „Einpendeln“ finde ich persönlich das falsche Wort. Jedes Budget ist eine ungefähre Annäherung und jeder Sponsor, ob klein oder groß, ist ein willkommener Partner, sei es für ein Match oder für zwei Saisonen. Laut unserer Hochrechnung und entgegen jüngster Medienberichte (Veröffentlichung von Budgetzahlen der Bundesligisten, Anm.) haben wir vernünftig gewirtschaftet, so dass die WSG solide dasteht.

Was wollen Sie am Ende dieser Saison von sich und Ihrem Verein behaupten?

Langes: Genau eine Sache: dass jeder, der Grün-Weiß trägt, stolz auf unseren Verein und unser Tiroler Land ist.

Das Gespräch führte Florian Madl

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