Frau von Orlando-Attentäter als Terrorhelferin angeklagt

Orlando (APA/AFP) - Sieben Monate nach dem tödlichen Anschlag auf einen Schwulenklub in Orlando ist die Ehefrau des Attentäters wegen Terror...

Orlando (APA/AFP) - Sieben Monate nach dem tödlichen Anschlag auf einen Schwulenklub in Orlando ist die Ehefrau des Attentäters wegen Terrorvorwürfen und Behinderung der Justiz angeklagt worden. Noor S. wurde am Dienstag (Ortszeit) vor einem Gericht im kalifornischen Oakland die Anklage vorgelesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Bei einer Verurteilung droht ihr lebenslange Haft.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen S. vor, ihren Mann Omar Mateen dazu ermuntert und ihm dabei geholfen zu haben, eine ausländische terroristische Organisation - die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) - erheblich zu unterstützen. Laut der Anklageschrift hat sie die Anschlagspläne ihres Mannes spätestens ab April 2016 und bis zu dem Attentat im Juni unterstützt. Außerdem soll S. die Polizei im US-Staat Florida und die US-Bundespolizei FBI bei den Ermittlungen zu dem Anschlag „mit Absicht“ in die Irre geführt haben.

Mateen hatte am 12. Juni im Schwulenclub „Pulse“ in Orlando in Florida 49 Menschen erschossen und weitere 53 verletzt, bevor er von Polizisten erschossen wurde. Der Attentäter hatte sich zuvor offenbar durch jihadistische Propaganda im Internet radikalisiert.

US-Medien hatten bereits berichtet, dass S. im Voraus Kenntnis von den Anschlagsplänen ihres Mannes gehabt haben könnte. Die US-Bürgerin mit palästinensischen Wurzeln habe ihn mindestens ein Mal zu dem Nachtklub begleitet und ein anderes Mal mit ihm Munition gekauft, hieß es.

S. war am Montag in Rodeo, einer Stadt 40 Kilometer nordöstlich von San Francisco, festgenommen worden. Sie war nach dem Tod ihres Mannes nach Kalifornien gezogen, um in der Nähe von Verwandten zu leben. Es war unklar, ob ihr vierjähriger Sohn, den sie mit Mateen hatte, bei der Festnahme bei ihr war.

Bei der Gerichtsanhörung am Dienstag sagte S. nur wenig. Ihr Onkel wies aber außerhalb des Gerichtssaals die Vorwürfe gegen die junge Frau zurück. „Ich weiß, dass sie unschuldig ist, hundertprozentig“, sagte Al Salman vor Journalisten. Seine Nichte habe nichts von dem Anschlag gewusst und zudem unter häuslicher Gewalt gelitten. S. sei ein „einfacher Mensch“ und könne „keiner Fliege etwas zuleide tun“. Nach Angaben des Onkels ist der vierjährige Sohn mittlerweile bei der Großmutter.

Der Fall soll an die Behörden in Florida übergeben werden. Diese hatten bereits vergangene Woche als weitere Maßnahme gegen S. beantragt, dass ihr Vermögen, darunter 30.500 Dollar (28.547 Euro), beschlagnahmt wird.

S. wurde am Dienstag zunächst von einem Pflichtverteidiger vertreten, wie die Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Um ihr die Möglichkeit zu geben, sich von einem eigenen Anwalt verteidigen zu lassen, wurde für Mittwoch eine weitere Gerichtsanhörung angesetzt.