EZB-Bankenaufseherin für grenzüberschreitende Fusionen
Koblenz/Frankfurt (APA/Reuters) - Die EZB-Bankenaufsicht macht sich für grenzüberschreitende Fusionen der Geldhäuser in der Eurozone stark. ...
Koblenz/Frankfurt (APA/Reuters) - Die EZB-Bankenaufsicht macht sich für grenzüberschreitende Fusionen der Geldhäuser in der Eurozone stark. „Es wäre gut, wenn wir signifikante Fusionen über Grenzen hinweg hätten“, sagte die oberste Bankenaufseherin der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy, am Mittwoch auf einer Veranstaltung in Koblenz.
Das werde eher früher als später geschehen. Signifikant bedeute dabei nicht nur groß, fügte sie hinzu. „Es kann auf allen Ebenen Konsolidierung geben“, sagte die Französin. Sie bekräftigte zudem frühere Forderungen, Banken sollten, um wieder profitabler zu werden, die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle überprüfen.
Über größere Fusionen in der Bankenwelt wird angesichts der Gewinnschwäche vieler Institute in der Euro-Zone schon länger spekuliert. So kamen an der Börse beispielsweise im November Gerüchte auf, dass die HVB-Mutter UniCredit sich mit der französischen Societe Generale (SocGen) zusammentun könnte. Beide Institute hatten sich dazu nicht äußern wollen.
Es gebe bei der Aufsicht keine Zahl an Banken, die sie für wünschenswert halte, sagte Nouy. Diese Entscheidung obliege nicht den Aufsehern - am Ende würden die Investoren sie fällen. Es gebe Raum für alle Arten von Geldhäusern in der Euro-Zone, sagte die Bankenwächterin. Nouy zufolge stünden Institute auch im aktuellen Umfeld viele Wege offen, wie sie wieder mehr Gewinne erwirtschaften könnten. Dazu gehöre der Abbau von faulen Krediten und das Herabsenken von Kosten. „Es gibt offensichtlich Spielraum, um effizienter zu werden und, als Ergebnis davon, profitabler,“ sagte Nouy.
Die Bankenaufseherin räumte ein, dass für die Geldhäuser das Niedrigzinsumfeld irgendwann zu einer Belastung wird. Die Einnahmen aus dem Zinsgeschäft würden sinken. Sie wies darauf hin, dass die Zinseinnahmen im Durchschnitt mehr als die Hälfte der Gesamteinkünfte der großen Institute in der Eurozone ausmachen. Der Leitzins in der Eurozone liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von Null Prozent. Zudem müssen Banken inzwischen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. In Deutschland klagen Geldhäuser schon lange, dass es ihnen in diesem Umfeld immer schwerer fällt, im Kreditgeschäft noch auskömmliche Gewinne zu erzielen.
Nouy ging auch auf Kritik aus der Branche ein, die Aufseher seien mit der Verschärfung der Regulierung zu weit gegangen. Institute müssten beachten, dass die Finanzkrise die Steuerzahler stark belastet habe, sagte Nouy. Strengere Regeln würden helfen, künftige Krisen zu vermeiden - zum Vorteil der Steuerzahler und der gesamten Wirtschaft. „Die Regeln dürfen selbstverständlich nicht so streng sein, dass sie das Leben aus den Banken herausquetschen.“
~ WEB http://www.ecb.int ~ APA454 2017-01-18/15:12