Raus aus der Komfortzone: Me + Marie haben „die Rollen getauscht“
Wien (APA) - Der Zufall führte sie zusammen: Als Maria de Val mit ihrer Band Ganes bei einem Schweizer Radiosender auf Promobesuch war, frag...
Wien (APA) - Der Zufall führte sie zusammen: Als Maria de Val mit ihrer Band Ganes bei einem Schweizer Radiosender auf Promobesuch war, fragte sie der dort als Redakteur tätige Roland Scandella „stinkfrech“, ob sie auf seinem Soloalbum mitwirken wolle. Einige Jahre und diverse Auftritte später machen die zwei Musiker mittlerweile als Me + Marie gemeinsame Sache. Im Jänner ist das Duo auch auf Österreichtour.
„Wir kommen zwar aus ganz unterschiedlichen Richtungen, aber genau das war spannend“, erzählt de Val im APA-Interview. Während sie mit Ganes eher für ruhigen Folk und verspielten Pop bekannt ist, war Scandella allen voran in seiner Schweizer Heimat als Rockmusiker erfolgreich. Für das im Vorjahr erschienene Album „One Eyed Love“ hat man nun gewissermaßen einen Mittelweg gefunden: Einnehmende Harmonien und die sehr unterschiedlichen Stimmen der Beiden treffen auf mal bluesige, dann wieder Indie-lastige Töne.
Die Lust, „mit jemandem einen Song zu schreiben, der einen ganz anderen Hintergrund hat“, wie es die Sängerin und Schlagzeugerin beschreibt, hört man dem fertigen Produkt an. Interessanterweise haben sich de Val und Scandella (die sich für das Projekt Künstlernamen zulegten) auf das Spezialgebiet des jeweils anderen begeben: „Roland war für die ruhigen Sachen zuständig und ich eher für das Rockige, also eigentlich genau umgekehrt“, schmunzelt de Val. Und ihr Kollege pflichtet ihr bei: „Wir haben sozusagen die Rollen getauscht.“
Unsicherheiten sind dabei aber nicht zu bemerken. Vielmehr bestechen Tracks wie „You Don‘t Know“ oder „White Noise“ durch eine sehr dichte Atmosphäre, wobei das Duo keineswegs den Fehler macht, alles zuzukleistern. Die Reduktion und ein genaues Gespür für Timing verleihen der Platte einen besonderen Dreh, der sich schwer mit anderen Acts vergleichen lässt. Dabei sei man sich anfangs gar nicht sicher gewesen, wer was spielen soll. „Aber Roli an der Gitarre und ich am Schlagzeug, das passte am besten zusammen“, so de Val. „Im Studio haben wir das zwar noch etwas weiter ausgearbeitet, aber der Duosound bleibt trotzdem die Basis.“
Auch live setzt man nicht auf Samples, sondern hat sich mit Tom Wörndl instrumentale Unterstützung geholt. „Durch ihn kommt noch die Farbe dazu, somit funktioniert die Dynamik auch im Konzert“, meint de Val. Die Suche nach dem richtigen Sound habe letztlich das Songwriting wesentlich beeinflusst. „Wir wollten grundsätzlich keine Strophe-Refrain-Band machen“, gibt Scandella üblichen Strukturen einen Korb. „Wir wollten Spaß haben an der Musik, die Songs sollten sich entwickeln können. Natürlich kann man ein Lied nach Lehrbuch machen, aber das klingt dann auch so. Das ist doch langweilig und hat uns nie interessiert.“
Im Findungsprozess habe man sich nicht unter Druck gesetzt. „Wir haben nicht daran gedacht, wie es werden sollte, sondern einfach gemacht“, unterstreicht der Gitarrist, der seine Gitarrenspur live doppelt, um einen volleren Klang zu erzeugen. „Es ist wichtig, dem Ganzen Zeit zugeben.“ De Val wirft dabei ein: „Wir haben uns vom Song leiten lassen, er ist unser Chef. Irgendwann sagt er dir dann: So ist es!“, lacht die Musikerin. „Das ist natürlich ein Bauchgefühl.“
Dass sie damit oft richtig liegen, beweisen auch die bisherigen Reaktionen. Dabei sei Erfolg keineswegs das primäre Ziel gewesen, hält Scandella fest. „Für mich war die Sache beendet“, blickt er auf seine verschiedenen Engagements und Bands zurück. „Ich machte Musik nur noch für mich. Und dann kam Me + Marie - plötzlich wirst du von den richtigen Leuten angesprochen, es geht eine Tür auf und passt alles. Für uns bedeutete das aber auch: Wenn wir das machen, dann richtig! Da musst du entscheiden: Machst du das, wovon du dein ganzes Leben geträumt hast? Jetzt ist es da! Und das mit 30, wenn du eigentlich in deiner Komfortzone bist, ein bisschen Geld verdienst. Aber dann lässt du alles weg und gehst diesen Weg. Das ist schon geil.“
Eine sehr persönliche Färbung hat „One Eyed Love“ nicht nur durch die Texte, die sich großteils um Beziehungen drehen (De Val: „Es sind quasi Breakup-Songs, was uns aber nicht bewusst passiert ist.“), sondern auch durch einen romanischen sowie einen ladinischen Track. Wobei Me + Marie vermeiden wollten, dass der Fokus zu stark auf die Sprachen gelegt wird. „Natürlich ist die Herkunft ein Teil von uns“, betont die gebürtige Südtirolerin de Val, „wir wollen das ja nicht verstecken. Aber würde man alles auf Ladinisch oder Romanisch machen, dann läge die Aufmerksamkeit wohl mehr darauf. Und das ist nicht der Sinn der Songs.“
Die Gefahr besteht aber keinesfalls: Me + Marie haben sich einen Sound gezimmert, der hängen bleibt und mit einfachen Mitteln großen Eindruck hinterlässt. Wie gut das im Konzertrahmen rübergebracht wird, davon kann man sich von 25. bis 27. Jänner in Österreich überzeugen: Die Band gastiert dann im Wiener B72, im PPC in Graz sowie im Posthof Linz. Und für 2017 hat man sich wieder einiges vorgenommen. „Es ist dabei aber keine einfache Frage, was als nächstes kommt“, meint Scandella. „Es ist einfach Me + Marie, das gibt es kein zweites Mal.“
(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)
(S E R V I C E - http://meandmarie.com)