Die Hexer von Baumkirchen
Die Fasnacht ist fest in der Hand der Tiroler Brauchtumsgruppen. Eine davon stammt aus Baumkirchen und besteht seit 40 Jahren. Zum Jubiläum treiben morgen die Hexen ihr Unwesen.
Von Nicole Strozzi
Baumkirchen –Hinter der Kirche links, da steht es, das „Hexenhaus“ der Baumkirchner Brauchtumsgruppe. In dem kleinen Vereinshaus passieren magische Dinge. Da verwandeln sich jedes Jahr g’standene Manderleit in schiache Hexen. Unrasierte Bärte verstecken sich dann unter holzgeschnitzten Larven mit Warzen, Zahnlücken und langen Nasen, und Jeanshosen werden gegen mit Watte ausgestopfte Dirndln getauscht. Bei einem Lokalaugenschein merken wir schnell: Jedes Detail soll passen, denn das Brauchtum wird hier in Baumkirchen – genau wie in vielen anderen Tiroler Gemeinden – sehr ernst genommen.
Ein paar Jahre haben sie schon auf dem Buckel, die Baumkirchner Hexen. Seit 1995 gibt es sie, erzählen uns Brauchtumsgruppen-Obmann Martin Zimmerling und der „Hexenbeauftragte“ Martin Salvenmoser, während Obmann-Stv. Patrick Brunner zur Demonstration in das Kostüm der Vereinshexe schlüpft. Die Brauchtumsgruppe selbst, die existiere schon länger. Sie wurde im Jahr 1977, also genau vor 40 Jahren, von Hermann Meßner gegründet. Neben den Hexenauftritten rücken die 150 Mitglieder Jahr für Jahr auch noch zum Schellenschlagen oder Grasausläuten aus.
Die 5. Jahreszeit – der Fasching – ist für viele Tiroler Brauchtumsgruppen etwas ganz Besonderes. Die Hexen-Truppe aus Baumkirchen treibt seit 7. Jänner schon ihr Unwesen auf diversen Veranstaltungen, bis Faschingsdienstag soll es weitergehen. Morgen, am Samstag, den 21. Jänner, wird es anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums ein großes Hexenspektakel im Gemeindezentrum mit 300 Hexen (Einlass ab 17 Uhr, 5 Euro) und anschließender Party geben. Dabei überlässt man nichts dem Zufall. Früher, da habe man nur Umzüge gemacht, erzählt Zimmerling. Jetzt seien es richtige Showeinlagen, die von der Tanzschule Polai choreografiert werden. Die „Spice Girls“-Tänze und Cancan-Einlagen des „Hexenballetts“ seien mittlerweile schon legendär.
Frauen, so erfahren wir, würde man keine unter den Hexen-Masken finden. Lediglich die Schriftführerin sei weiblich. Warum? Das ist halt so. Ein ungeschriebenes Brauchtumsgesetz, das wohl besagt, dass die Show den Hexenmeistern vorbehalten ist.
Dabei sind es die Frauen, die vor Jahren in Baumkirchen für ordentlichen Wirbel sorgten und die Männer gehörig auf den Arm nahmen. Im Jahr 1977, als es die Hexen noch nicht gab, waren nur die Schellenschlager am Weg. Wie jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag, so ist es in der Chronik niedergeschrieben, wollten sie beim Milser Faschingsball auftreten. Doch es war verhext: Die Frauen hatten ihnen die Schellen gestohlen und waren selbst zum Faschingsball gegangen. Die Männer besorgten sich Schellen aus dem Stubaital, kamen dadurch aber viel zu spät und wurden bei ihrer Ankunft als „Baumkirchner Grasausläuter“ verhöhnt. Das wollten die Männer nicht auf sich sitzen lassen, denn „Schellenschlagen sei Männersache“. Sie kreierten die „Klachl-Lalln“, das sind Korbweibelen, die die Männer seither beim Schellenschlagen auf dem Rücken tragen.
Der ortsansässige Bruno Holzer, der auch die Hexen-Masken schuf, schnitzte dafür die Larven und verpasste den Masken das Antlitz jener Frauen, die für den „Diebstahl“ verantwortlich waren. Die „Lalln“ kamen bei der Bevölkerung gut an, und die Ehre war gerettet. Eine lustige Geschichte, über die sogar im „Totznhacker“ im Radio berichtet wurde.
Der Spaß soll halt im Vordergrund stehen, sind sich alle einig. So sind die Baumkirchner Hexen – obwohl sie so grantig schauen – auch ganz brave, versichern die Burschen. Böse Hexen gebe es nur im Märchen. Aber das ist eine andere Geschichte.