Forschung

Ötzis letzter Imbiss war wohl Südtiroler Speck

"Ötzi", der "Mann aus dem Eis", wurde am 19. September 1991 gefunden. Anhand des Blütenstaubs in seinem Verdauungstrakt konnte sein letzter Weg rekonstruiert werden.
© TT/Thomas Böhm

Das ergab eine Analyse der Nanostruktur des Steinbockfleisches aus dem Magen der Gletschermumie.

Wien/Bozen - Ötzi, der vor 5.300 Jahren am Tisenjoch an der Grenze zu Österreich ermordet wurde, aß als letzte Mahlzeit Steinbockfleisch, obwohl sein Bogen unfertig und zum Jagen unbrauchbar war. Das Fleisch war wohl nicht frisch, sondern laut neuesten Forschungsergebnissen quasi steinzeitlicher Speck aus dem heutigen Südtirol, erklärte der Mumienspezialist Albert Zink Mittwoch Abend bei einem Vortrag in Wien.

Mit Kollegen habe er die Nanostruktur des Steinbockfleisches aus dem Magen der Gletschermumie untersucht und mit jener von unterschiedlich zubereitetem Fleisch verglichen, so Zink, der am Institut für Mumien und den Iceman der Europäischen Akademie (Eurac) in Bozen forscht.

"Getrocknetes und rohes Fleisch behält seine Fasern, so wie wir sie in Ötzis Magen gefunden haben, während diese Strukturen beim Kochen oder Grillen verloren gehen", sagte er. Wahrscheinlich habe das spätere Opfer also getrocknetes Fleisch mit sich geführt, denn roh wäre jenes sehr schnell verdorben.

Eine Analyse der Fettstoffe in seinem Magen habe außerdem ergeben, dass sie nicht von Käse oder anderen Milchprodukten stammen, wie von manchen Forschern spekuliert wurde, sondern fleischlichen Ursprungs sind. "Er hat wohl zuletzt sehr fettes, getrocknetes Fleisch gegessen, vielleicht eine Art Speck", meint Zink. Da Ötzi von der Südtiroler Seite auf das Hauslabjoch aufgestiegen war, stammte jener höchstwahrscheinlich von dort.

Der "Mann aus dem Eis" wurde am 19. September 1991 in der Nähe des 3.208 Meter hoch gelegenen Tisenjoch in den Ötztaler Alpen von einem Ehepaar aus Deutschland entdeckt. Der Fund war eine wissenschaftliche Sensation. Die Mumie ist seitdem Gegenstand verschiedenster Forschungen. (TT.com, APA)