Musik

Kopf durchrütteln auf dem Dancefloor

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Die Jazz-Funk-Legenden „Defunkt“ heizen morgen im Treibhaus ein. Der Genregrenzgang soll auch im Kopf was bewegen.

Von Silvana Resch

Innsbruck –Morgen gibt es im Treibhaus kein Halten mehr: Mit dem brodelnden Mix aus Rock, Funk und Free Jazz, mit dem Defunkt seit nunmehr 40 Jahren das Publikum auf den Dancefloor treiben, avancierte die Band Ende der 70er-Jahre zu einer der aufregendsten Formationen der New Yorker Underground-Szene. No Wave, die avantgardistische US-Variante des Postpunk, gab damals lautstark lärmend den Ton an. Mit James Chance & The Contortions, Aushängeschildern der Szene, spielte Defunkt-Gründer Joseph Bowie zunächst Free Jazz. Er habe eigentlich Musiker für James Chance gesucht, schließlich aber selbst seine eigene Band zusammengestellt, blickt der Bandleader im TT-Gespräch zurück. Mit dem selbstbetitelten Debüt „Defunkt“ (1980) und Nachfolgern wie „Thermonuclear Sweat“ (1982) sollte die Formation schon bald Klassiker liefern. Von der ursprünglichen Besetzung werden in Innsbruck die legendäre Funkbassistin Kim Clarke und Trompeter John Mulkerin mit von der Partie sein, Gitarrist Kelvyn Bell (Kelvynator) ist in der Free-Funk-Jazz-Szene freilich kein Unbekannter.

Der Defunkt-Mix spiegle seine eigene musikalische Geschichte wider, sagt Bowie im TT-Gespräch. Genres zu mixen sei für ihn „die natürlichste Sache der Welt“. Der Spross einer Musikerfamilie aus St. Lewis – sein Bruder ist der Free-Jazzer Lester Bowie – spielte in seiner Heimatstadt Jazz, Funk und Blues, bevor er nach New York wechselte. Im Punk-NoWave-Underground habe es damals eine große Tanzszene gegeben. Defunkt wollten aber nicht einfach nur eine weitere Party-Funk-Band sein. Auch in den Köpfen der Tanzwütigen sollte sich etwas bewegen: „Wir wollen die Leute aufrütteln, sie sollen anfangen zu denken.“ Von Anfang an waren die Defunkt-Texte politisch und „am Puls der Zeit“. Die Angelobung Donald Trumps als neuer US-Präsident sei für ihn eine große Tragödie, „nicht nur wegen Trump, sondern weil es eine Tragödie für das gesamte amerikanische politische System ist“, so Bowie, der in den Niederlanden lebt. Trump stehe für einen weltweiten Rechtsruck, große Veränderungen kommen auf die Welt zu, fürchtet der Posaunist. Trumps Wahlslogan haben Defunkt indes für ihre neuen T-Shirts abgewandelt. „Make Africa Great Again“ steht darauf. „Es gibt viele Arten, dem Negativen zu begegnen“, lacht Bowie.

Mit Garry „Gman“ Sullivan ist ein neuer Drummer mit auf Tour. Es sei wichtig, immer wieder neue Gesichter in die Band zu bringen, durch den Wechsel bleibe die Musik frisch. Zur aktuellen „Roots Edition“-Europa-Tour soll ein Live-Album entstehen.