Innsbruck

Straßenbahn neu: Nachbesserungen nicht ausgeschlossen

© Rudy De Moor / TT

2018 soll die Innsbrucker Straßenbahn in vollem Umfang ihren Betrieb aufnehmen. Dass sie nicht überall auf eigener Trasse fahren wird, gilt als Schwachpunkt. SPÖ würde das „Jahrhundertprojekt“ nicht mehr beschließen.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — Innsbrucks größtes Infrastrukturbauprojekt geht seinem Ende entgegen. Zumindest, was den innerstädtischen Bereich zwischen der Technik im Westen Innsbrucks und dem Olympischen Dorf im Osten betrifft. Viel ist bereits für die neue Straßenbahn gebaut worden — viel steht 2017 und 2018 an Großbaustellen noch bevor. 2018 soll die volle Inbetriebnahme erfolgen. Für die zuständige Vizebürgermeisterin Sonj­a Pitscheider (Grüne) ist die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Schienenausbaus weiter unumstritten, wie sie gestern anlässlich der Aktuellen Stunde im Gemeinderat ausführte. Mehr Kapazitäten, weniger Schadstoffe, höhere Frequenz — all das soll die Straßenbahn und ab 2020/21 auch die bis nach Völs bzw. Rum verlängerte Regionalbahnlinie bringen.

Für heuer wird nicht nur die neue Trambrücke über den Inn ins O-Dorf und eine neue Remise in Wilten, sondern auch in der Schützenstraße und in der Reichenauer Straße gebaut. Die Einschränkungen für den Individualverkehr in dieser Zeit werden — wieder — erheblich sein. „Wir bemühen uns aber, sie in Grenzen zu halten", sagt Pitscheider.

Daten und Fakten

  • Kosten: Das Investitionsvolumen beträgt laut Auskunft der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) rund 396,7 Millionen Euro. Davon entfallen rund 257 Millionen Euro auf die Infrastruktur, 140 Millionen auf die Beschaffungskosten für neue Straßenbahnfahrzeuge. Jene Strecken, die von Regionalbahn- und Straßenbahn befahren werden, sind zu einem Drittel vom Land und zu zwei Dritteln von der Stadt zu finanzieren. Innerstädtische Abschnitte, die nur von der Straßenbahn befahren werden, zahlt die Stadt zur Gänze. Die Regionalbahn-Abschnitte Richtung Rum und Völs hat das Land zu tragen.
  • Strecke: Die Tram/Regionalbahn soll im Endausbau die Linie O ersetzen. Damit werden 17 Dieselbusse eingespart und gleichzeitig größere Beförderungskapazitäten durch die Straßenbahngarnituren geschaffen. Die (künftige) Regionalbahnstrecke startet in Völs, führt über die Technik durch das Zentrum Innsbrucks (Anichstraße, Salurner Straße, Hauptbahnhof) weiter ins Olympisches Dorf nach Rum.
  • Zeitplan: 2010 wurde mit den ersten Bauarbeiten begonnen. Noch Ende 2017 soll der Technik-Ast in den Westen Innsbrucks in Betrieb gehen, 2018 der östliche Teil in Richtung O-Dorf. Bis 2020/21 sollen Völs und Rum ans Tram-Netz angeschlossen werden.

Doch auch nach erfolgter Inbetriebnahme 2018 schließt Pitscheider bauliche Nachbesserungen nicht aus. Denn ein großer Schwachpunkt der Tram ist, dass sie nicht ausschließlich auf eigener Trasse fahren wird können. Ein Nadelöhr ist beispielsweise die Höttinger Au zwischen Unibrücke und der Kreuzung mit der Layrstraße. Dort muss sich auch die Tram mitunter in den Pkw-Stau stellen. „Diese Planungen waren nicht glücklich, aber vor meiner Zeit", sagt Pitscheider. Funktioniert die geplante Beschleunigung der Tram — auch via Ampelbeeinflussungen — nicht, werde man sich diesen Abschnitt anschauen müssen. Ebenso wie die Brunecker Straße und auch die alte Schienentrasse in einem Teil der Defreggerstraße. Man werde sehen, so Pitscheider.

Dass die FPÖ gestern erneut das Tram-Projekt geißelte, wunderte wenig. Seit Jahren warnen Rudi Federspiel und Co. vor den finanziellen Folgen. Immerhin beantragte die Stadt bei der Europäischen Investitionsbank 2016 einen 150-Mio.-€-Kredit zur Restfinanzierung der Tram sowie weiterer Projekte. Die einst vom Bund versprochenen 30 Mio. € hat zumindest Pitscheider „de facto abgeschrieben. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt." Für mehr Aufsehen sorgte gestern die SPÖ. „Noch einmal würden wir das Projekt nicht mehr beschließen", sagte SP-Klubobmann Arno Grünbacher. Man stehe zur Tram, sei nun aber auf Jahrzehnte daran gebunden — ungeachtet der Entwicklung in der E-Mobilität. VP-StR Franz Gruber wertete das als „Schwenk im Wahlkampfgetümmel". Für ihn bleibe die Tram-Entscheidung die einzig richtige. Ebenso argumentierte auch die Bürgermeisterliste Für Innsbruck. „Wir sind halt noch nicht fertig", erinnerte FI-Klubchef Lucas Krackl den Gemeinderat.

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561