CDU-Politikerin Noll neue Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags

Berlin (APA/AFP) - Die nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Michaela Noll (CDU) ist neue Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. ...

Berlin (APA/AFP) - Die nordrhein-westfälische Bundestagsabgeordnete Michaela Noll (CDU) ist neue Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Die 57-jährige Juristin erhielt am Donnerstag bei ihrer Wahl im Parlament 513 Ja-Stimmen. Es gab 27 Nein-Stimmen und 29 Enthaltungen. Die Unionsfraktion hatte die Abgeordnete als Nachfolgerin des verstorbenen Bundestagsvizepräsidenten Peter Hintze (CDU) vorgeschlagen.

Noll war von 2009 bis 2010 für einige Monate Justiziarin der Unionsfraktion, seither ist sie eine der Parlamentarischen Geschäftsführerinnen der Fraktion. Sie gehört auch dem Ältestenrat des Parlaments an.

Hintze war im November vergangenen Jahres nach einer Krebserkrankung gestorben. Der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat insgesamt sechs Stellvertreter, von denen SPD und Union jeweils zwei und die Oppositionsfraktionen jeweils einen stellen.

Noll ist gilt als leidenschaftliche Familienpolitikerin. Ein großer politischer Erfolg gelang ihr bei der Bundestagswahl 2013. Damals verteidigte sie ihr Direktmandat in Mettmann gegen einen prominenten Herausforderer: den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Nach der Bundestagswahl wurde sie als eine der parlamentarischen Geschäftsführerinnen (PGF) wiedergewählt, die dem „ersten“ Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer (CDU), zur Seite stehen. Diesen Posten hatte sie 2010 übernommen, nach einem kurzen Intermezzo als Justiziarin der Fraktion.

Ihr Lebensweg führte die am 24. Dezember 1959 in Düsseldorf geborene Juristin nicht direkt in die Politik, obwohl sie die Tochter eines Politikers ist: Ihr Vater, ein Iraner, war Wirtschaftsminister unter dem Schah. Noll absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Dolmetscherausbildung, bevor sie 1982 das Studium der Rechtswissenschaften aufnahm. 2001 wurde sie als Rechtsanwältin zugelassen, ein Jahr später zog sie erstmals in den Bundestag ein.

Die Abstammung von ihrem iranischen Vater bekam sie damals durchaus zu spüren. „Alles, was ansatzweise Richtung Orient war, war damals mit Angst behaftet“, berichtete sie später mit Blick auf die Terroranschläge in den USA vom September 2001. Doch den Anstoß für den Gang in die Politik gab bei ihr eine sehr persönliche Erfahrung. 1994 suchte sie vergeblich nach einem Kita-Platz für ihren Sohn - gegen derartige Missstände wollte sie etwas unternehmen.

Folgerichtig machte sie denn auch die Familienpolitik zu ihrem Thema, als sie 2002 erstmals in den Deutschen Bundestag einzog. Sie setzte sich für misshandelte und vernachlässigte Kinder ein, stritt für einen härteren Kampf gegen Kinderpornografie und brachte die Schaffung eines Kinderbeauftragten der deutschen Regierung ins Gespräch.

Jetzt kommt auf Noll eine ganz andere Aufgabe zu: Als eine von sechs Stellvertretern Lammerts wird sie regelmäßig die Sitzungen des Parlaments leiten und auch repräsentative Aufgaben wahrnehmen.