Selbstbehalte - SVA will Kostenbeteiligungen harmonisieren

Wien (APA) - Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) lehnt die Forderung von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) nac...

Wien (APA) - Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) lehnt die Forderung von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) nach einer Abschaffung der Selbstbehalte ab. Der stellvertretende SVA-Obmann Alexander Herzog sprach von einer „Frontalattacke“ des Bundeskanzlers. Er fordert stattdessen im Gespräch mit der APA eine Harmonisierung der verschiedenen Kostenbeteiligungen der einzelnen Träger.

Alle Sozialversicherungsträger sollten sich zusammensetzen und über eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen Kostenbeteiligungen und Gebühren für die Versicherten reden, schlägt Herzog vor. Auf die Tagesordnung könnte dieses Thema in den Gremien des Hauptverbandes gesetzt werden. Wichtig ist Herzog dabei, dass dies nicht von der Politik vorgegeben wird, sondern die Selbstverwaltung selbst regelt.

Wie die Angleichung der Kostenbeteiligungen aussehen soll, das will der stellvertretende SVA-Obmann nicht präjudizieren. Er halte natürlich das SVA-Modell mit Selbstbehalten mit Ausnahmen und Bonusprogramm, möglichst niedrigen Beiträgen und höheren Leistungen für das Beste für Unternehmer. Gleichzeitig respektiere er aber auch, dass andere Modelle für andere Träger und deren Versicherte gut sein können, betonte Herzog. Er wolle anderen Trägern nicht erklären, „wie sie ihren Laden zu führen haben“. Das System der Selbstständigen sei auch nicht mit jenem der Angestellten zu vergleichen.

Der stellvertretende SVA-Obmann verwies darauf, dass dem Selbstbehalt beim Arztbesuch höhere Leistungen für die Selbstständigen gegenüberstehen. So gebe es etwa die E-Card gratis oder auch die jährliche Mundhygiene, die die SVA übernimmt. Den Selbstständigen seien möglichst niedrige Beiträge und höhere Leistungen wichtiger als die Zuzahlungen beim Arztbesuch und ihnen sei auch die Prävention wichtiger als etwa Angestellten, meinte Herzog. Deshalb laufe auch das Bonusprogramm sehr erfolgreich. Von insgesamt 380.000 Aktiven in der SVA nehmen derzeit rund 110.000 Versicherte an dem Programm teil, das eine Halbierung des Selbstbehaltes auf zehn Prozent vorsieht, wenn man vereinbarte Gesundheitsziele in den Bereichen Nicht-Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung, Blutdruck und Gewicht erreicht.

Den vom Bundeskanzler ins Treffen geführten sozialen Argumenten für eine Abschaffung des Selbstbehaltes hält der stellvertretende SVA-Obmann zahlreiche Ausnahmen entgegen. Dass die Ärmsten der Armen beim Arztbesuch zahlen müssten, sei sachlich falsch. Es gebe Ausnahmen für chronisch Kranke, für Unternehmer in schwierigen Einkommenssituationen sowie für alle Kinder von Versicherten.

Betont skeptisch ist Herzog zur immer wiederkehrenden Forderung nach einer Zusammenlegung von Sozialversicherungsträgern. Ob es nun 22 Kassen gebe oder drei oder nur eine, sei den Versicherten nicht so wichtig. Die zu schaffenden Primärversorgungseinheiten, die überlaufenen Spitalsambulanzen oder die ärztliche Versorgung am Land seien Themen, die die Bevölkerung mehr bewegen, ist der stellvertretende SVA-Obmann überzeugt. Er plädiert dafür, die in Auftrag gegebene Studie zur Effizienzsteigerung der Kassen abzuwarten. Klar ist für ihn aber schon, dass es für die Selbstständigen ein eigenes System brauche, weil diese andere Bedürfnisse haben. Den alten Vorschlag des ÖVP-Wirtschaftsbundes, je eine Sozialversicherung für Selbstständige, für Unselbstständige und für Beamte zu schaffen, hält Herzog deshalb nach wie vor für sinnvoll.