„Deals“ statt Politik? Trump - der Unternehmer-Präsident
Washington (APA/Reuters) - Aus seiner Verachtung für den Politikbetrieb in Washington hat Donald Trump in den vergangenen Monaten keinen Heh...
Washington (APA/Reuters) - Aus seiner Verachtung für den Politikbetrieb in Washington hat Donald Trump in den vergangenen Monaten keinen Hehl gemacht. Doch strebte er den Posten des Präsidenten an. Begründung: der Unternehmer will mit seiner Wirtschaftserfahrung alles besser können. An diesem Freitag wird ein Mann US-Präsident, der als Unternehmer-Persönlichkeit die politischen Geschicke der Supermacht bestimmen will.
Seine erste Pressekonferenz nach der Wahl hat Trump vergangene Woche dazu genutzt, Kritik an möglichen Interessenskonflikten entgegenzutreten. Die Leitung seiner Unternehmensgruppe hat er auf seine Söhne übertragen - zugleich aber betont, dass er dies eigentlich gar nicht hätte tun müssen. „Ich könnte das Unternehmen weiterführen und Präsident sein - ich könnte das tun, aber ich will es nicht“, betonte der Republikaner.
Der hohe Anteil von Geschäftsleuten und Milliardären in seiner designierten Regierung sorgt für Unmut. Medien wie die „Zeit“ berechnen den Reichtum seines designierten Kabinetts auf den Rekordwert von 14 Milliarden Dollar. Denn es gebe in den USA Vorbehalte gegen eine Konzentration der Macht in wenigen Händen.
Der US-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik Josef Braml nimmt Trump ausdrücklich in Schutz gegen den Vorwurf, keine politische Erfahrung zu haben. „Als Unternehmer weiß er sehr wohl, wie man Einfluss auf Politik ausübt - er kennt die Mechanismen aus der anderen Perspektive.“ Trump verkörpere ein „politisches Unternehmertum“. Die Vertreter dieser Gruppe zeichneten sich dadurch aus, sehr pragmatisch und unideologisch zu sein. Schließlich gehe es um „Deals“. Das könnte allerdings auch bedeuten, dass sich Trump für einen „Deal“ wenig um Grundüberzeugungen scheren wird.
Möglicherweise ist der Immobilienmagnat durch das Denken in seiner sehr speziellen Branche geprägt - weshalb er auch keine besonderen Probleme mit Protektionismus-Drohungen zu haben scheint, die den Immobiliensektor nicht betreffen. Ausdrücklich betonte Trump im „Times“-Interview, dass er seine Verhandlungskünste bei seinem Vater gelernt habe, der ebenfalls ein Immobilienentwickler war. Im übrigen sei er von Natur aus ein „großartiger Verhandler“.