Hintergrund

Politik mit 140 Zeichen: Sorge vor twitterndem US-Präsident Trump

Der Republikaner twittert unter dem Account @realDonaldTrump. Registriert wurde das Konto im März 2009, als nur wenige ahnten, dass Trump einmal Präsident werden könnten.
© Screenshot/Twitter

Mit dem Kurznachrichtendienst Twitter will Donald Trump auch nach seinem Amtsantritt für Schlagzeilen sorgen. Seine unberechenbare Art mit 140 Zeichen Politik zu machen, lässt US-Diplomaten erschaudern.

Washington - Barack Obama war zwar das erste Staatsoberhaupt, das soziale Medien überhaupt intensiv nutzte. Aufsehen erregten seine Nachrichten in den vergangenen acht Jahren kaum. Ganz anders sein Nachfolger Donald Trump: Noch vor seinem Amtsantritt am Freitag hat Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter die Wirtschaft bewegt, diplomatische Spannungen erhöht und über Rivalen und Prominente geschimpft.

Der Umgang Trumps mit Twitter und den Medien ist paradox: Einerseits kann er mit den Tweets an seine über 20 Millionen Follower die klassischen Medien umgehen. Andererseits greifen Fernsehsender, Websites und Nachrichtenagenturen seine Äußerungen sofort auf und verstärken so die Wirkung. Manchmal bieten seine Äußerungen sogar Stoff für Eilmeldungen. Trump erfüllt dies offenbar mit Stolz. „Ich mache bing, bing, bing, und mache einfach weiter. Und die bringen es, sobald ich twittere", sagte er jüngst in einem Zeitungsinterview.

Für Investoren können „breaking news" von Trumps Twitter-Account handfeste Folgen haben. So gab der Kurs von Toyota nach, als er den japanischen Konzern dafür angriff, mehr Autos in Mexiko für den US-Markt zu fertigen. „NIEMALS! Baut das Werk in den USA oder zahlt eine hohe Grenzsteuer", schrieb Trump in einem Tweet.

Sorge vor Missverständnissen

Im US-Außenministerium, wo jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, fragen sich verblüffte Diplomaten inzwischen, was eigentlich passiert, wenn Trump nach der Amtseinführung weiter twittert. Denn traditionell ist jede Äußerung aus dem Weißen Haus offizielle US-Politik und kann von ihnen wiederholt werden. „Gibt ein Tweet die politische Linie vor?", heißt es in einer Diskussion im Intranet des Ministeriums. Ein Diplomat fordert, die gesamte Regierung müsse sich mit dem Problem auseinandersetzen, dass Trumps Tweets Missverständnisse auslösen könnten.

Die Kurznachrichten haben für Trump nach eigener Darstellung zwei Vorteile: Erstens: „Es ist sehr genau." Will heißen: Äußert sich Trump über ein Thema in einem Tweet mit 140 Zeichen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass dieses Zitat wörtlich in den Medien erscheint. Der zweite Faktor dürfte die Zeitersparnis sein. „Wenn ich eine Pressekonferenz gebe, ist das viel Arbeit." Anders als auf einer Pressekonferenz muss sich Trump auf Twitter auch nicht den kritischen Fragen der seiner Darstellung nach „unehrlichen Medien" stellen.

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Stichwort: Trump auf Twitter

Account: Der Republikaner twittert unter dem Account @realDonaldTrump. Dieser ist auch für Nicht-Twitterer öffentlich einsehbar. Registriert wurde das Konto im März 2009, als nur wenige ahnten, dass Trump einmal Präsident werden könnten.

Tweets: Bisher setzte Trump etwa 34.300 Botschaften auf Twitter ab. Das sind durchschnittlich zwölf am Tag. Die meisten seiner Tweets sind in der (inoffiziellen) Datenbank „Trump Twitter Archive" enthalten. Dort kann man auch nach Stichwörtern suchen.

Follower: Trump hat auf Twitter mehr als 20 Millionen Follower - das sind registrierte Nutzer, die seine Äußerungen standardmäßig in ihrer Timeline sehen. Allerdings sind nicht alle Follower ständig online, und es gibt bei Twitter auch Karteileichen. Aber: Tausende Twitter-Nutzer verbreiten die Nachrichten per Retweet weiter und erhöhen damit die Reichweite. Zudem greifen viele Medien Trumps Tweets umgehend auf.

Wem folgt Trump? Umgekehrt folgt Trump 42 Accounts. Unter ihnen sind einige seiner Firmen, Familienmitglieder und auch Journalisten.

Nach der Amtsübernahme: Wenn Trump es wünscht, kann er von Barack Obama den offiziellen Account @POTUS (Abkürzung für „President of the United States") übernehmen. Trump kann aber die 13,6 Millionen Follower übernehmen. Auch das Präsidialamt (@WhiteHouse) hat einen eigenen Twitter-Account mit 13,4 Millionen Followern. Ob Trump die offiziellen Kanäle nutzt, ist unklar. @realDonaldTrump will er nach eigenen Worten weiter nutzen.

Twittert Trump selbst? Nach eigener Aussage tut er das, etwa übers iPhone.