European Milk Board sieht Milchkrise noch nicht am Ende
Berlin/Wien/Brüssel (APA) - Das European Milkboard (EMB), zu dem 20 nationale und weitere regionale Mitgliedsverbände - in Österreich die IG...
Berlin/Wien/Brüssel (APA) - Das European Milkboard (EMB), zu dem 20 nationale und weitere regionale Mitgliedsverbände - in Österreich die IG Milch mit 1.600 Betrieben - gehören, sieht die Milchkrise keineswegs beendet. „Die Situation wird für viele Erzeuger immer mehr zur Existenzfrage“, so Sieta van Keimpema, niederländische Milchbäuerin und Vize-Vorsitzende des EMB am Donnerstag bei der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin.
Weiterhin würden derzeit täglich Verluste produziert, auch wenn der Erzeugermilchpreis zuletzt auf mehr als 30 Cent gestiegen sei. Schließlich würden die Produktionskosten bei 45 bis 50 Cent pro Kilogramm Milch liegen. Jetzt würde schon wieder mehr gemolken, sagte die Niederländerin. Auch Milchpulver - vier Milliarden Liter equivalent - drücke weiterhin auf den Markt. Sehr schnell würde der Erzeugermilchpreis so wieder sinken.
Was braucht es aber aus Sicht des EMB, um den Milchmarkt zu stabilisieren? Es brauche ein stabiles System mit einer teilweisen Regulierung. Das System müsse sich nach der Nachfrage richten, damit es nicht mehr zum Dumping komme. „Nur so kann man kostendecken produzieren“, sagte die Niederländerin. John Comer, aus Irland stammendes Vorstandsmitglied des EMB, betonte auch, dass die Verbraucher einen Schutz bräuchten. „Es ist noch nicht zu spät für Nachhaltigkeit, auch im Sinne des Umweltschutzes, aber die Verantwortungsträger müssen weiterhin überzeugt werden“, so Comer.
Empfohlene Maßnahmen der Task Force für Agrarmärkte, die EU-Kommissar Phil Hogan initiiert hatte, reichen dem EMB im Sinne einer Stabilisierung des Milchsektors nicht. Die Markttransparenz zu erhöhen, sei zu begrüßen. Aber die Produktionskosten und Einkommen der Erzeuger würden hier nicht ausreichend beachtet. Die Preisvolatilität würde durch Umsetzung von Vorschlägen zwar etwas abgeschwächt. Aber eine strukturelle Abhilfe würde nicht geschaffen, sagt der EMB.
Der Verband fordert ein reguläres Kriseninstrument für den Milchsektor - ein „Marktverantwortungsprogramm“: Um künftig auf sich abzeichnende Marktkrisen im Milchbereich rechtzeitig und angemessen zu reagieren, bedürfe es zusätzlicher EU-weiter Regelungen. Dafür fordert der EMB einen gesetzlichen Rahmen, um ein reguläres Kriseninstrument einzuführen. Eine Marktbeobachtungsstelle müsse Krisen ausrufen können, was Hilfsmaßnahmen auslösen solle. Es gehöre ein Milchpreis von 45 Cent pro Kilogramm anvisiert werden. Die Milchmenge in der EU müsse um 2 bis 3 Prozent reduziert werden. In guten Zeiten soll auch von den Bauern in einen Fonds eingezahlt werden, um in Krisenzeiten den freiwilligen Lieferverzicht zu finanzieren.
In der EU wird derzeit bereits ein freiwilliger Lieferverzicht gefördert. EU-weit werden derzeit eine Milliarde Kilo Milch weniger angeliefert. Hier sollte zeitgleich trotzdem die Deckelung der übrigen Milchproduktion möglich sein - also solche die nicht einsparen, sollen die Produktion nicht steigern dürfen. In Österreich werden von Jänner bis März an die 40.000 Tonnen weniger Milch angeliefert als 2016 im ersten Quartal. Grund ist die Zahlung von 14 Cent je Kilo nicht angelieferter Milch als Reduktionsmaßnahme. Dafür stehen 5,86 Mio. Euro vom zweiten EU-Hilfspaket wegen des Erzeugermilchpreis-Tiefs zur Verfügung. 4.300 Landwirte haben beim Agrarministerium Anträge gestellt, alle wurden akzeptiert. Schon von Oktober bis Dezember 2016 wurden um 26.000 Tonnen weniger Milch als im Vorjahreszeitraum angeliefert. Von Oktober 2016 bis Ende März 2017 sind es also insgesamt mehr als 65.000 Tonnen weniger Milchanlieferung - dank der Zahlungen fürs Nicht-Liefern. Im Vergleich zum Anlieferungs-Jahresschnitt zuletzt von rund drei Millionen Tonnen Rohmilch pro Jahr ist das immerhin eine Einsparung von rund 2,16 Prozent.
Das EMB plant bereits für kommenden Montag, 23. Jänner, wieder Protestaktionen - „Aktion Milchpulver“ in Brüssel. Am selben Tag findet ein Agrarministerrat in der EU-Hauptstadt statt.