Wannenseekonferenz - Zentralrat der Juden warnt vor dem Vergessen

Berlin (APA/AFP) - Zum 75. Jahrestag der berüchtigten sogenannten Wannseekonferenz am Freitag hat der Präsident des Zentralrats der Juden in...

Berlin (APA/AFP) - Zum 75. Jahrestag der berüchtigten sogenannten Wannseekonferenz am Freitag hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Bedeutung der Erinnerung an den Holocaust betont. „Die Wannseekonferenz führt uns drastisch vor Augen, was passieren kann, wenn die Menschenwürde nichts mehr zählt“, erklärte er am Donnerstag in Berlin.

Die Erinnerung daran, „wozu Menschen fähig sind“, sei heute „wichtiger denn je“, betonte Schuster. Am Berliner Wannsee hatten sich am 20. Jänner 1942 führende Vertreter von SS, Nazi-Partei und Ministerien getroffen, um ihr Vorgehen bei der Vernichtung der Juden abzusprechen. Die Konferenz gilt als Exempel für die skrupellose Mitwirkung des gesamten Staats- und Verwaltungsapparats am Holocaust.

Dabei ermordeten NS-Täter während des Zweiten Weltkriegs sechs Millionen Juden. Parallel töteten sie zudem Millionen Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, Homosexuelle, Polen, Kranke und Behinderte. Die Wannseekonferenz wird fälschlicherweise teils als der Ort angesehen, an dem der Holocaust beschlossen wurde. Dies ist aber historisch falsch.

In der Villa, in der die Konferenz damals tagte, befindet sich seit 1992 eine Gedenk- und Bildungsstätte. Bundestagspräsident Norbert Lammert, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (beide CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wollten dort am Donnerstagnachmittag an einer Gedenkveranstaltung zu dem Ereignis teilnehmen.