Cannabis auf Rezept - Was die Freigabe in Deutschland bedeutet
Berlin (APA/dpa) - In Deutschland können Schwerkranke künftig Cannabis als Arzneimittel verordnet bekommen. Eine exakte Definition der Krank...
Berlin (APA/dpa) - In Deutschland können Schwerkranke künftig Cannabis als Arzneimittel verordnet bekommen. Eine exakte Definition der Krankheitsbilder gibt es im neuen Gesetz nicht. Cannabis kann helfen gegen Spastiken bei Multipler Sklerose, chronischen Schmerzen bei Neuropathie, Rheuma oder Krebs. Es wirkt auch bei Appetitlosigkeit wegen Aids, Krebs oder Alzheimer oder bei Übelkeit nach Chemotherapien.
Ein Arzt kann es auf Kosten der Krankenkassen verschreiben, wenn eine - laut Gesetz - „nicht ganz entfernt liegende Aussicht“ auf eine positive Wirkung besteht. Die Patienten müssen - anonym - ihre Therapiedaten zur weiteren Erforschung der Cannabiswirkung zur Verfügung stellen.
Bisher haben bereits 1.020 Patienten eine Sondergenehmigung für Cannabis vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhalten. In der Regel müssen sie die Kosten aber selbst tragen. Zwei Patienten wurde zudem die Erlaubnis für den Eigenanbau von Cannabis erteilt. Mediziner schätzen, dass die Patientenzahlen zwar nach oben gehen werden, aber es im Ganzen doch Einzelfälle bleiben.
Den Anbau soll eine beim BfArM angesiedelte Cannabisagentur regeln, sie soll das Cannabis dann kaufen und an Hersteller und Apotheken abgeben. Ein BfArM-Sprecher sagte, die Einrichtung der Agentur werde schon vorbereitet. „Ziel ist es, dass die Cannabisagentur ohne Verzögerung ihre Arbeit aufnehmen kann, wenn das Gesetz in Kraft tritt.“ Das soll im März sein.
Patienten bekommen das Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder als Extrakt. Öl aus Hanfpflanzen kann über eine Vorrichtung inhaliert werden. Mediziner berichten, dass manche Patienten angeben, Cannabis helfe ihnen am besten, wenn sie es rauchen.
Cannabis kann abhängig machen, in seltenen Fällen in eine Psychose führen, außerdem können trockener Mund, Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit auftreten. Vieles über medizinische Wirkungen ist noch nicht erforscht.