Tausende gedenken in Istanbul des 2007 ermordeten Journalisten Dink

Istanbul (APA/AFP) - Im Gedenken an den vor zehn Jahren ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink haben sich am Donnerstag tau...

Istanbul (APA/AFP) - Im Gedenken an den vor zehn Jahren ermordeten türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink haben sich am Donnerstag tausende Menschen zu einer Kundgebung in Istanbul versammelt. „Wir sind alle Hrant, wir sind alle Armenier“, rief die Menge vor dem Redaktionsgebäude der Zeitung „Agos“ in Istanbul. Neben früheren Kollegen schloss sich auch Dinks Witwe Rakel der Trauergemeinde an.

„Es ist nicht einfach ohne dich“, sagte sie. „Wenn du wüsstest, was aus diesem Land geworden ist“, fügte sie hinzu und listete die Anschläge der vergangenen Monate in der Türkei auf.

Dink war am 19. Jänner 2007 von einem jungen türkischen Nationalisten vor der Redaktion seiner Zeitung „Agos“ erschossen worden. Die Tat sandte eine Schockwelle durch das Land. Der Schütze wurde zu knapp 23 Jahren Haft verurteilt, doch wurden die Hintermänner nie identifiziert, und viele Einzelheiten des Attentats liegen bis heute im Dunkeln. Unter anderem wurde gegen mehrere Polizisten ermittelt, die Hinweise auf den geplanten Mordanschlag ignoriert haben sollen.

Rakel Dink machte in ihrer Rede bei der Kundgebung in Istanbul den Staat für den Mord an ihrem Mann verantwortlich. „Dieser Fall ist einer der Schlüssel zur Demokratisierung der Türkei“, erklärte sie.

Auch die wegen Terrorvorwürfen angeklagte Schriftstellerin Asli Erdogan nahm an der Gedenkveranstaltung teil. „Wir sind zehn Jahre danach hier, und wir werden auch in zwanzig Jahren hier sein“, sagte sie.

Der Journalist hatte sich für eine Versöhnung zwischen Türken und Armeniern eingesetzt. Die von ihm gegründete Zeitung „Agos“ war die erste in der Türkei, die auf Armenisch und Türkisch erschien. Dink zog sich aber den Zorn türkischer Nationalisten zu, als er die Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs als Völkermord bezeichnete. Die türkische Regierung lehnt diese Einstufung bis heute kategorisch ab.

Der zum Zeitpunkt des Mordes minderjährige Attentäter war zu knapp 23 Jahren Gefängnis verurteilt worden, ein Hintermann zu lebenslanger Haft. Da die Hintergründe der Tat noch nicht vollständig aufgeklärt sind, beschäftigt der Fall weiterhin die Gerichte. Unter anderem wird gegen Polizeibeamte ermittelt, die von den Mordplänen gewusst haben sollen. Staatsanwälte beschuldigen Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Regierung auch für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich macht, des Mordes an Hrant Dink.