„Hotspot“ Westbahnhof - Öffentlicher Raum zieht Randgruppen an

Wien (APA) - Es sind nicht nur Jugendliche, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung nach Österreich kamen, die am Bahnhof anzutreffen sind. „Die...

Wien (APA) - Es sind nicht nur Jugendliche, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung nach Österreich kamen, die am Bahnhof anzutreffen sind. „Die Bahnhöfe sind immer ein sehr attraktiver Ort - auch für Obdachlose, sucht- oder alkoholkranke Menschen - weil sie eine sehr gute Infrastruktur und so die Möglichkeit der Teilhabe bieten“, sagte Andrea Jäger von der Sucht- und Drogenkoordination in Wien zur APA.

„Generell hat jeder Mensch das Recht, den öffentlichen Raum zu nutzen“, ergänzte Jäger, die die Abteilung „Öffentlicher Raum und Sicherheit“ leitet. Egal welcher Gesellschaftsschicht sie entstammen oder welchen sozialen Status sie haben: Es ginge immer um ihr Verhalten. So lang dieses sozial verträglich ist, bestünde ja kein Problem und auch keine Intervention der sozialen Arbeit, Security oder Polizei sei erforderlich.

Insgesamt hat sich laut Jäger die Situation im öffentlichen und halböffentlichen Raum - wie der Westbahnhof einer ist - in Wien sehr zufriedenstellend entwickelt. In den vergangenen zehn Jahren sei etwa auch die Zahl der Menschen mit Suchtproblemen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, zurückgegangen. „Das hat viel mit den Angeboten im Bereich der Wohnungslosenhilfe und mit jenen im Bereich des Suchthilfesystems zu tun“, erläuterte die Expertin. „Das Beispiel, das alle Wiener und Wienerinnen kennen, ist etwa der Karlsplatz. Da hielten sich früher 150 bis 170 suchtkranke Menschen täglich auf. Jetzt sind das zwei bis drei“, nannte Jäger ein Beispiel für die erfolgreichen Integrations- und Unterstützungsmaßnahmen in Wien. So wurden etwa die Kapazitäten der Tageszentren verdoppelt.

An Plätzen wie dem Westbahnhof trifft man auf die Mitarbeiter der Einrichtung S flexibel der Suchthilfe Wien, die von Sandra Diwoky geleitet wird. Zu erkennen sind sie an ihrer Dienstkleidung, den roten Jacken. Sie sind sowohl für Wohnungslose und Suchtkranke, als auch für Anrainer und Geschäftsleute die Ansprechpartner und unterstützen konfliktloses Nebeneinander. Auch Passanten sprechen die Sozialarbeiter an, teilweise, um sich zu beschweren: „Es geht dann schon auch darum, sich deren Ängste anzuhören“, so Diwoky. Hier versuche man, Verständnis für die anderen Lebensweisen zu vermitteln. Ebenso rufen auch Passanten an, die sich Sorgen um Obdachlose machen.

Die Winterarbeitszeiten bei SAM sind von 9.00 bis 20.00 Uhr. Tätig sind die Mitarbeiter etwa auch am Bahnhof Meidling, an der Josefstädterstraße und Teilen des Alsergrunds. „Man trifft überall auf bekannte Gesichter aus anderen Einsatzgebieten“, erläutert Diwoky. „Es geht darum, auch eine Beziehung aufzubauen“, denn Teil des Jobs sei das Erklären, was im öffentlichen Raum erlaubt und verboten ist, die sogenannte Regelkommunikation. „Angebote der Sucht- und Drogenhilfe oder der Wiener Wohnungslosenhilfe“ - also Notquartiere oder medizinisch-therapeutische Angebote - werden den Menschen vermittelt. Die Mitarbeiter sind mehrsprachig, sie decken so gut wie alle osteuropäischen Sprachen ab.

Dass es bei der Frage nach dem öffentlichen Raum auch immer um die der öffentliche Sicherheit geht, sieht Diwoky folgendermaßen: „Das hat immer auch den Beigeschmack, dass man mehr Reglementierung hat im öffentlichen Raum. Und je mehr es davon gibt, umso weniger Freiheit gibt es für die Individuen.“ Diese käme manchmal zu kurz, müsse aber mitbedacht werden. Letztendlich ginge darum, die Bedürfnisse aller Beteiligten zu berücksichtigen. Eines stünde jedenfalls auch für den Westbahnhof fest: Hier werde es, wie an allen Verkehrsknotenpunkten in Großstädten, immer Suchtkranke und Wohnungslose geben.