Frankreichs Sozialisten: Scherbenhaufen sucht Hoffnungsträger

Paris (APA/dpa) - Echte Chancen werden eigentlich keinem von ihnen zugetraut, trotzdem bewerben sich sieben Politiker um die Präsidentschaft...

Paris (APA/dpa) - Echte Chancen werden eigentlich keinem von ihnen zugetraut, trotzdem bewerben sich sieben Politiker um die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten. Auf dem Spiel steht die Zukunft der angeschlagenen Regierungspartei.

Es sind dramatische Tage für Frankreichs Sozialisten. Nach fünf Jahren Francois Hollande im Elyseepalast droht der Regierungspartei bei der Präsidentschaftswahl der Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Und dem Land damit eine Wiederholung des Paukenschlags von 2002, als der Kandidat der rechtsextremen Front National in die Stichwahl um den wichtigsten Job im Land einzog. Wenn der Parti Socialiste (PS) nicht noch irgendwie das Wunder gelingt, das Ruder bis zum Wahltag Ende April herumzureißen.

Das ist die Ausgangslage vor zwei Abstimmungen, mit denen die Anhänger der Sozialisten am diesem Sonntag (22. Jänner) und bei der Stichwahl eine Woche darauf ihren Präsidentschaftskandidaten bestimmen. Ein Wahlgang mit Tragweite: „Die Zukunft der französischen Sozialisten (...) wird sich in den zwei kommenden Wochen entscheiden“, analysiert die Zeitung „Le Monde“.

Bei der Vorwahl gibt es sieben Kandidaten - die Kür wird von den Sozialisten und mehreren mit ihnen verbündeten Kleinparteien organisiert. Abstimmen darf jeder Franzose, der im Wählerregister steht, sich per Unterschrift zur Linken bekennt und einen Euro Kostenbeteiligung bezahlt. Prognosen sind schwierig.

Auf den Vorwahl-Sieger wartet eine wenig beneidenswerte Mission. Denn die Aussichten sind ernüchternd: Für die Präsidentschaftswahl im April und Mai sagen Umfrageinstitute seit Wochen ein Duell zwischen dem Konservativen Francois Fillon und Front-National-Chefin Marine Le Pen voraus. Wer auch immer für die Sozialisten antritt, derzeit droht ihm laut der jüngsten Umfrage des Instituts Cevipof in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ein demütigender fünfter Platz.

Die Mission von Hollandes Erbe (oder Insolvenzverwalter) wird umso schwieriger, weil er nicht als unangefochtener Spitzenmann des linken Lagers ins Rennen geht. Zwei andere Präsidentschaftskandidaten aus dem linken Spektrum nehmen nicht an der Vorwahl teil, laufen aber bisher allen möglichen PS-Kandidaten den Rang ab: Vor allem der aufstrebende Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der selbst in der Provinz die Hallen füllt, aber auch der stramm linke Volkstribun Jean-Luc Melenchon.

Politische Kommentatoren spekulieren deshalb bereits, ob der Sieger der Sozialisten-Vorwahl gezwungen sein könnte, zugunsten Macrons zu verzichten. Der sozialliberale Jungstar positioniert sich bereits offensiv als derjenige, der einen Einzug Le Pens in die Stichwahl verhindern könne. Doch für die Parti Socialiste wäre dieses Szenario das finale Eingeständnis des Scheiterns - und würde die Zerreißprobe zwischen den Flügeln noch weiter anheizen, Zerfallsrisiko inklusive.

Ex-Premier Manuel Valls, der ganz auf das Image des pragmatischen Staatsmanns setzt, hat seine anfänglich klare Favoritenrolle nicht nutzen können und bröckelt in den Umfragen. Arnaud Montebourg - ein erklärter Kritiker der Sparpolitik nach deutschem Gusto - und Benoit Hamon, der ein bedingungsloses Grundeinkommen will, gelten als seine härtesten Konkurrenten.

Es geht dabei auch um die Frage, wie die PS mit dem schweren Erbe der Hollande-Jahre umgehen will: Setzt sie weiter auf den parteiintern schwer umstrittenen sozialdemokratischen Reformkurs oder schwenkt sie nach links um?

Die konservative Zeitung „Le Figaro“ ätzte bereits, der wegen seiner Unbeliebtheit zum Verzicht auf eine neue Kandidatur gezwungene Staatschef Hollande habe das Grab der PS geschaufelt. Entscheidend dürfte letztlich sein, wie viele Franzosen an der Vorwahl teilnehmen. Mit einer schwachen Beteiligung würde es dem Sieger noch schwerer fallen, den nötigen Schub zu finden.