Internationale Pressestimmen zur Amtseinführung Donald Trumps

Washington (APA/dpa/AFP) - Internationale Zeitungen kommentieren am Freitag die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident:...

Washington (APA/dpa/AFP) - Internationale Zeitungen kommentieren am Freitag die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsident:

„Times“ (London):

„Von heute an ist Präsident Trump mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert - zum Beispiel, ob man die von seinem Vorgänger angeordneten Bombenangriffe auf IS-Terroristen in Syrien fortsetzen soll oder nicht. Zugleich scheint er aber die Geheimdienste zu verachten, die traditionell Hilfestellungen für derartige Entscheidungen liefern. Unter den hochrangigen Nominierten für seine Regierung gibt es keinen Verfechter des Freihandels, obwohl er ein wichtiger Pfeiler des amerikanischen Wohlstands ist. Er strebt freundliche Beziehungen zu Wladimir Putin an, obwohl der russische Präsident die NATO und die Europäische Union stören und nach Möglichkeit demontieren möchte.

Wie Trump diese offenkundigen Widersprüche aufzulösen gedenkt oder ob sie ihm egal sind, bleibt rätselhaft. Doch gerade weil so viel Unsicherheit darüber besteht, wie er zu regieren gedenkt, hat er die historische Chance, die Zweifler in Verwirrung zu stürzen und sich am Ende als echter Reformer zu erweisen. (...) Die Welt kann nur hoffen, dass Trump fundierter Beratung Beachtung schenkt und dann auf der Basis von Kenntnissen regiert. Im Oval Office sind Instinkte nicht genug.“

„Liberation“ (Paris):

„Trump ist und bleibt unvorhersehbar. Das ist vielleicht das Einzige, was man sicher sagen kann. Er hat das Gegenteil von dem getan, was man von einem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten erwartet. Wichtig ist aber nicht, wie er sich hätte verhalten sollen, sondern die Konsequenzen, die bereits jetzt für seine vierjährige Amtszeit absehbar sind. Uns, Franzosen und Europäern, muss bewusst werden, dass wir isoliert sind - gegenüber den USA, Großbritannien, Russland und China. Es erfordert all unsere Aufmerksamkeit und Energie, eine Daseinsberechtigung in dieser neuen Weltordnung zu finden.“

„De Telegraaf“ (Amsterdam):

„Die Kritik an dem Republikaner ist in den Niederlanden wie überall in Europa groß, aber wenig produktiv. Die Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt und wir müssen mit ihm zurechtkommen. Viel wird von seinen Ministern abhängen, jedoch ist wohl bereits klar, dass Trump in seiner Außenpolitik sich nicht mit Selbstverständlichkeit für Europa als wichtigstem Bündnispartner entscheiden wird. Im vorigen Jahr hatte der Republikaner erklärt, dass NATO-Mitglieder nur dann mit dem Schutz der USA rechnen können, wenn sie ihren ‚ehrlichen Anteil‘ an den Kosten der transatlantischen Verteidigungsorganisation bezahlen. In militärischer Hinsicht ist Europa schon seit Jahrzehnten auf die USA angewiesen. Die Diskussionen darüber ziehen sich seit langem hin. Doch unter Trump wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass die europäischen NATO-Länder mehr eigene Verantwortung übernehmen müssen.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Geschürt wird die Angst durch die offenkundige Sympathie der beiden Selbstdarsteller füreinander: (Der russische Präsident Wladimir) Putin und (der neue US-Präsident Donald) Trump, so die Befürchtung, könnten sich auf Einflusssphären verständigen. (...)

Ob Trump mit einem Rückzug der amerikanischen Truppen (aus den baltischen Staaten) einen Gesichtsverlust und die Brüskierung fast aller amerikanischen Alliierten in der Nato in Kauf nehmen will, scheint zweifelhaft. Zudem weiß auch Russland, wie riskant ein militärisches Vorgehen gegen die Nato-Staaten im Baltikum wäre. Die Russen bleiben für die Balten wohl ein zwar unfreundlicher, aber doch nicht lebensbedrohlicher Nachbar. Die Kosten eines ‚Deals‘ auf dem Rücken der Balten wären wohl für Trump und Putin zu hoch.

Etwas anders liegt die Situation in der Ukraine, die weiterhin in einem Graubereich zwischen Ost und West, Demokratisierung und Oligarchie, Russland und EU feststeckt. Trotz einiger Reformerfolge kämpft die proeuropäische Regierung gegen starke Widersacher - und oft genug gegen sich selbst.“

„Wedomosti“ (Moskau):

„Das Fehlen einer allgemeinen außenpolitischen Strategie der Obama-Regierung sowie einer klaren Linie im Verhältnis zum Nahen Osten, zu China und zu Russland zeugt bereits von einer Krise der globalen Führerschaft der USA. Donald Trump kann diesen Prozess beenden, indem er unklaren globalen Ambitionen eine klare Strategie der Selbstermächtigung entgegensetzt, die auf nationalen Interessen basiert. Ob er es vermag, werden wir sehen.“

„Berlingske“ (Kopenhagen):

„Donald Trump hat mit seinen Worten und der Wahl seiner Ratgeber ernsthaft Zweifel daran gesät, wen er als Alliierten und Freund sieht, und wer ein Feind ist. Er hat sich den ganzen Wahlkampf über geweigert, harte Worte gegen Russland zu finden, aber keine Probleme gehabt, andere Länder zu kritisieren. Er hat gesagt, dass er den Brexit unterstützen und zu einem Erfolg machen will. Er hat eine demokratisch gewählte Regierungschefin und langjährige US-Alliierte, Deutschlands Kanzlerin Merkel, mit Russlands notorischem Autokraten Putin gleichgestellt. Er hat die NATO überflüssig genannt, obwohl er auch gesagt hat, dass es eine starke Allianz sei.

Insgesamt hat er, bevor er Präsident wurde, Unsicherheit darüber geschaffen, inwieweit die USA immer noch ein enger Freund Europas sind, oder ob sie sich nach neuen Freunden auf der Welt umschauen. (...) Jetzt wird Trump ins Amt eingeführt. Wollen wir hoffen, dass er seine Beziehung zu seinen Freunden schnell abklärt.“

„Neatkariga Rita Avize“ (Riga):

„Unmittelbar nach dem unerwarteten Wahlsieg Trumps verwiesen viele politische Beobachter mit ihrer üblichen allwissenden Überzeugung darauf, dass Trump vor und Trump nach den Wahlen zwei verschiedene Personen sein werden. Dieser ganze ‚Unsinn‘ sei nur dazu gedacht gewesen, um unkritische Wähler an die Wahlurnen zu locken. Nun werde es einen ganz anderen Trump geben. Einen Pragmatiker, der den Fachmännern in Washington und den jahrzehntelang auf den Korridoren der Macht ausgefeilten Regeln Rechnung tragen muss.

Doch Trumps Verhalten und Redeweise haben sich seit dem 8. November nicht verändert. Er legt sich offen mit Journalisten an, er redet weiter ziemlich nachlässig, sogar ausfällig über seine engsten Partner in Europa, verärgert unnötig China, indem er mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen kommuniziert, usw. (...) Schon jetzt kann man sagen, dass sich Unsicherheit, Unklarheit und Unberechenbarkeit in internationale Politik eingeschlichen haben. Dies schafft größere Nervosität, Irritationen und Misstrauen auf allen Ebenen.“