Perfekter ÖSV-Auftakt in Kitzbühel: Mayer siegt im Super-G
Hundertstel-Krimi zum Auftakt der 77. Hahnenkamm-Rennen: Matthias Mayer holte sich mit 0,09 Sekunden Vorsprung auf den Südtiroler Christof Innerhofer den Sieg. Beat Feuz (SUI) komplettierte das Podest.
Kitzbühel - Matthias Mayer ist der erste österreichische Kitzbühel-Sieger seit Hannes Reichelt 2014. Der Kärntner setzte sich am Freitag in der ersten Hahnenkamm-Entscheidung im Super-G vor dem Italiener Christof Innerhofer und dem Schweizer Beat Feuz durch und holte damit den 50. rot-weiß-roten Sieg im alpinen Ski-Hotspot. Der bisherige Super-G-Dominator Kjetil Jansrud kam nicht über Platz neun hinaus.
Mayer holte sich den Sieg mit Startnummer 13 vor allem im unteren Abschnitt ab der Hausbergkante, wo er zahlreiche Konkurrenten alt aussehen ließ. Einzig Innerhofer hielt mit einer halsbrecherischen Fahrt, stellenweise mit einem Ski in der Luft, dagegen, lag am Ende neun Hundertstel zurück. Feuz hatte bereits 0,44 Sekunden Rückstand.
"Ich habe nicht viel nachgedacht, einfach voll angedrückt. Das ist super aufgegangen. Ein Sieg in Kitzbühel ist ein Kindheitstraum", freute sich Mayer. Es war der erste ÖSV-Sieg im Super-G seit dem 5. Dezember 2015, als Marcel Hirscher in Beaver Creek überraschte. Mayer hatte zuletzt im Februar desselben Jahres in Saalbach einen Super-G gewonnen. In der Vorsaison erlitt der Kärntner bei einem Sturz in der Gröden-Abfahrt einen komplizierten Wirbelbruch und fiel für die restliche Saison aus. Im Super-G hatte in Kitzbühel seit 2009, als Klaus Kröll gewann, kein Österreicher mehr triumphiert.
Franz bis zur dritten Zwischenzeit in Front
Innerhofer beschrieb sein Podest-Comeback als "Wahnsinn". Der Südtiroler kämpft seit Jahren mit bisweilen heftigen Schmerzen in Knie, Rücken und zuletzt nach einem Muskelfaserriss in der Wade, hatte deswegen Wengen und auch das Abschlusstraining am Donnerstag in Kitzbühel auslassen müssen. Vor dem Start habe ein schmerzstillendes Mittel injiziert bekommen, berichtete der 32-Jährige.
Zweitbester Österreicher war Mayers engerer Landsmann Max Franz als Fünfter. Der lag bis zur dritten Zwischenzeit virtuell sogar in Führung, kassierte aber am Ende noch sieben Zehntel. "Ich ärgere mich so, es zipft mich an", sagte Franz. "Vom Gefühl her war es nicht gut gefahren, der Ski hat nicht das gemacht, was ich wollte. Der hat sein eigenes Ding durchgezogen."
Jansrud, der die bisherigen drei Super-G in diesem Winter gewonnen hatte, schenkte schon bald nach dem Start durch einen schweren Fehler einiges an Zeit her. "Ich habe eine zu aggressive Linie gewählt, meine Geschwindigkeit war weg", meinte der nach Platz neun enttäuschte Norweger, der aber die Führung in der Disziplinwertung behielt. "So ein Rennen wünscht man sich nicht, ich werde heute auf Reset drücken."
Auch Hannes Reichelt unterlief bereits oben ein Fehler. "Es war schon beim vierten Tor vorbei, aber aufgeben tut man nur einen Brief, also habe ich mich heruntergekämpft", meinte der Salzburger. Nach einem weiteren Fehler bei der Seidlalm habe er endgültig gewusst, dass sich keine Topplatzierung mehr ausgehen würde. "So eine Glatze hat es im Super-G schon lange nicht mehr gehabt, das Material war vielleicht zu wenig auf das abgestimmt." Nach dem Zielsprung sprang er noch dazu am vorletzten Tor vorbei und wurde nachträglich aus der Wertung genommen.
Hirscher: "Themaverfehlung"
Hirscher fuhr bis zur Hausbergkante zeitlich im soliden Mittelfeld, büßte aber auf dem Schlussabschnitt, wo ihm Sicherheit und Topspeed abgingen, noch knapp sieben Zehntel ein. Der Gesamtweltcup-Leader, der auf dem 24. Platz landete, verließ sofort nach dem ORF-Interview ohne weitere Mediengespräche das Zielgelände. Zuvor kritisierte er aber noch den seiner Meinung nach zu direkten, schnellen Kurs im Finish. "Wenn man dann schneller fahrt als in der Abfahrt im Zielschuss, dann weiß ich nicht, ob das nicht eine Themaverfehlung ist", sagte Hirscher.
Mit Vincent Kriechmayr (13.) und Romed Baumann (15.) kamen nur zwei weitere ÖSV-Läufer in die Top 20. (APA)