Gefühlvoller Ritt auf der Welle: Klangforum startete „Festliche Tage“

Wien (APA) - Zum zweiten Mal veranstaltet das Klangforum Wien die „Festlichen Tage alter Musik“. Das Festival, das sich den Anfängen des zei...

Wien (APA) - Zum zweiten Mal veranstaltet das Klangforum Wien die „Festlichen Tage alter Musik“. Das Festival, das sich den Anfängen des zeitgenössischen Musikgeschehens vor knapp 100 Jahren widmet, umfasst heuer fünf Konzertabende im Sinne einer Spurensuche. Zum Auftakt gab es am gestrigen Donnerstag im Konzerthaus eine „Endzeit“ zu vernehmen, so das passende Motto für Werke von Sibelius, Berg oder Schreker.

Selten gespielte Stücke von Komponisten, die sich um 1900 in neue Richtungen öffneten, bilden den Rahmen - das Klangforum selbst füllt ihn aus und bietet damit durchaus lustvolle Herausforderungen. Wobei die Einführung in den Abend mit Alexander Skrjabins „Vers la flamme“ in einer Bearbeitung von Ensemble-Mitglied Andreas Lindenbaum die Gegensätzlichkeit von fragilen Melodiebögen und sich sukzessive auftürmendem Klanggerüst vorsichtig einleitete. Schon hier fühlte man sich an immer stärker werdendem Wellengang auf hoher See erinnert.

Zum Glück für das Publikum gab es mit Stefan Asbury einen höchst versierten Kapitän, der auch stürmischen Gegenwind als dringliche Konsequenz zu gestalten wusste. Der britische Dirigent führte das Klangforum mit lockerem Gestus und doch stets spürbarer Präzision, was sich auch in der Zusammenarbeit mit Sopranistin Agata Zubel äußerte. Ihre Interpretation der fünf Gesänge von Karol Szymanowski in „Slopiewnie“, mal in lichten Höhen schwebenden, dann erdige Kraft heraufbeschwörend, war beeindruckend in Sicherheit wie Ausdruck.

Es musste aber nicht immer eine größere Form sein, um auch Großes zu erzeugen: Sieben Streicher reichten völlig aus, um sich der „t immer eine größere Form sein, um auch Großes zu erzeugen: Sieben Streicher reichten völlig aus, um sich der „Canzonetta“ von Jean Sibelius zu nähern, sie feingliedrig auszugestalten und die nur wenige Minuten dauernde Komposition zum Leuchten zu bringen. Der sichere Hafen, er schien hier greifbar nah, ein Leuchtturm von melancholischer Eleganz. Was sich in Richard Dünsers Bearbeitung von Alban Bergs erster Klaviersonate wieder umkehren sollte, gab doch kraftvolle Exzentrik den Ton an, ein klangliches Zentrum in stetem Auf und Ab umkreisend.

Zu guter Letzt und als raumgreifenden Höhepunkt gab das Klangforum die einsätzige Kammersymphonie von Franz Schreker, die das zuvor Gehörte einfangen, zusammenfassen und weiterspinnen sollte. Für 23 Musizierende angelegt, kam hier jede Instrumentengruppe zu ihrem Recht, standen die einzelnen Elemente gleichermaßen für sich wie für einen vollen und satten Ensembleklang. Die Agilität des Klangkörpers wurde in gelungener Weise ausgenutzt, trafen geradezu kitschig-melodische Ausflüge auf eine energische Breite im Klang und gingen die Verflechtungen tief in das Orchester hinein.

Am Ende gab es für alle Beteiligten im Mozart-Saal langen und ausgiebigen Applaus. Diese „Endzeit“ hat jedenfalls Lust gemacht auf das, was noch folgen wird: Ihre Fortsetzung finden die „Festlichen Tage“ nämlich bereits kommenden Sonntag im Arnold Schönberg Center mit Stücken von Leos Janacek und Alois Haba. Insgesamt dauert das Festival bis 2. Februar.

(S E R V I C E - Klangforum Wien: „Festliche Tage alter Musik“, bis 2. Februar an verschiedenen Orten in Wien. Details zum Programm und Tickets unter www.klangforum.at)