Wenn das Gesicht zu Holz erstarrt
Wenn sich auch die Tarrenzer Fasnachtler gefallen lassen müssen, dass die Figuren jenen der Imster sehr ähneln, so ist die Figur der „Originale“ doch einzigartig. In Wenns entstehen indes die Fasnachtskrainer.
Von Hubert Daum
Tarrenz, Wenns –In der Vorbereitung auf die Fasnachten in Tarrenz, Wenns und Sautens fliegen nicht nur symbolisch die Späne. Während die Wagenbauer Abende und Wochenenden mit Hacke und Stemmeisen hantieren, haben die Larvenschnitzer ihr Hauptwerk während des Jahres bereits erledigt. Einer jedoch ist immer noch emsig an der Arbeit: Reinhold Neururer aus Tarrenz sorgt dafür, dass die Tarrenzer Fasnacht ein Alleinstellungsmerkmal besitzt.
„In Tarrenz lebte Messles Wilfried, ein Dorforiginal, den jeder kannte“, erzählt der autodidakte Schnitzer Neururer, der sich normalerweise als Künstler mit modernen Skulpturen und Installationen beschäftigt, „1988 hatte ich die Idee, sein Gesicht als Larve zu schnitzen und ging damit auch in die Fasnacht“. Das habe eingeschlagen wie eine Bombe und ihn dazu animiert, sich an weitere Charaktere zu wagen. Das Schwierige dabei sei, die charakteristischen Gesichtszüge zu treffen, weil, wenn die Person nicht erkannt werde, alles umsonst sei. Für jede Fasnacht entstand nun eine neue Larve einer dorfbekannten Persönlichkeit. Der Erfinder der damals neuen Attraktion: „Als ich vier Larven beisammen hatte, bildete sich eine Gruppe, eben die der Originale. Die Gruppe wurde analog der Larvenanzahl immer größer, heute können wir uns des Ansturms der Jungen kaum erwehren.“
Insgesamt seien es mittlerweile über zehn Originale. Darunter auch der damalige Landeshauptmann Wendelin Weingartner, mit dessen hölzernem Gesicht Neururer 1997 in die Fasnacht ging und diese auch vom eingeladenen „Landesvater“ wahrgenommen wurde. „Die Larve ist mittlerweile im Besitz von Weingartner, bei einem Besuch im Landhaus habe ich ihm sein zweites Gesicht aus Holz geschenkt“, so der Künstler. Die Larve, die er aktuell in Arbeit hat und die bis zur Fasnacht am 29. Jänner fertig werden soll, werde einen Bürger darstellen, den natürlich jeder sehr gut kenne. „Wer es wird, bleibt allerdings noch geheim. Auch über den dazugehörigen Wagen werden die Leute staunen, der wird ziemlich groß“, verrät der bald 60-Jährige, der aktiv nicht mehr mitgeht, aber als „Präsident“ die Fäden zieht.
Was für die Tarrenzer das eigens gebraute Fasnachtsbier ist, ist für die Fasnachtler in Wenns eine kulinarische Tradition seit über 20 Jahren: die „Wenner Fasnachtskrainer“. Mit eigener Rezeptur von der Dorfmetzgerei produziert, soll die Wurst Fasnachtlern und Zuschauern besondere Kräfte verleihen – etikettiert natürlich mit dem aktuellen Fasnachtsplakat. Verraten werden die Zutaten vom Metzger Krug freilich nicht: „Genießt sie bis Fasnachtsende, dann ist sie wieder aus.“