500 Jahre Reformation: Glaube für Kirchen nicht nur Privatsache

Wien (APA) - Das Reformationsjubiläum ist für die evangelischen Kirchen in Österreich ein Grund, ihre Haltung auch nach Außen zu präsentiere...

Wien (APA) - Das Reformationsjubiläum ist für die evangelischen Kirchen in Österreich ein Grund, ihre Haltung auch nach Außen zu präsentieren. Glaube sei nicht nur reine Privatsache, sagte der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern der lutherischen und der Methodistischen Kirche. Ein Veranstaltungsreigen solle dies verdeutlichen.

„Wir sind überzeugt, dass der Glaube auch einen Platz in der Gesellschaft haben soll, ohne dass Kirchen eine besondere Vormachtstellung beanspruchen“, meinte Hennefeld anlässlich des Reformations-Jahres. Dem schloss sich auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker an. In einer zunehmend säkulären Gesellschaft feiere man vor allem durch die Frage: „Was ist unser Auftrag als Kirchen heute? Welchen Beitrag geben wir für das Zusammenleben hier in Österreich?“

Wesentliche Elemente der Reformationslehren hätten Relevanz für die heutige Gesellschaft, betonten die Kirchenvertreter. Die Lehre bedeute vor allem eine Absage an eine reine Leistungsgesellschaft und an Profitmaximierung, so Hennefeld. Der ehemalige methodistische Superintendenten Lothar Pöll betonte wiederum, dass die Reformationsgeschichte voll von Beispielen für Autoritätskritik und Widerstand sei. Darum habe man sich auf das Motto „Freiheit und Verantwortung“ geeinigt.

Aber auch im ökumenischen Verhältnis habe sich durch das Reformations-Jahr bereits einiges geändert, resümierte Bünker bereits. So seien etwa am Beginn gemeinsame Veranstaltungen mit den Spitzen der römisch-katholischen Kirche in Österreich gestanden, wie etwa ein gemeinsamer Gottesdienst. Aber auch im interreligiösen Kontakt, etwa mit den Muslimen im Land, gelte es, das Miteinander und die Gemeinsamkeiten anstelle der klaren Abgrenzung zu pflegen.

Nicht nur aus diesem Grund feiern die evangelischen Kirchen auch öffentlich und mit großem Aufwand. Der „Reformationsball“ am 10. Februar sei bereits ausgebucht, berichtete Bünker. Besonders das Fest am Rathausplatz am 30. September solle dazu dienen, „den Menschen Mut zu machen, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen“. Dafür angekündigt ist die Friedensnobelpreisträgerin Leymah Gbowee aus Liberia.

Keinen tagespolitischen Bezug hat ein weiteres Ereignis zum Jubiläum. Dennoch: Nach Villach, Graz, Wien, Waidhofen an der Ybbs und Steyr ist ab Montag auch St. Pölten offiziell „European City of Reformation“.