DIW: Deregulierung der Finanzmärkte größtes Trump-Risiko
Berlin/Washington (APA/Reuters) - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht durch den A...
Berlin/Washington (APA/Reuters) - Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht durch den Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident dunkle Wolken für die europäische Konjunktur aufziehen. „Für die Wirtschaft in Europa ist es sicherlich ein besorgniserregender Tag, denn die Präsidentschaft von Donald Trump schafft Unsicherheit“, sagte Fratzscher am Freitag zu Reuters TV.
„Der Populismus verunsichert Unternehmen: Wollen sie investieren? Wie geht es weiter? Wird er regulieren?“
Größte Sorge sei aber nicht Protektionismus, also dass Trump beispielsweise den US-Markt beispielsweise durch höhere Einfuhrzölle abschottet. „Die große Sorge ist, dass er die Finanzmärkte, die Finanzinstitutionen dereguliert, dass es hier wieder zu einer Aufstockung von Risiken kommt“, warnte der Ökonom. Unternehmen könnten durch diese Unsicherheit weniger investieren und damit weniger Jobs schaffen. „Wir dürfen nicht vergessen: Europa befindet sich noch mitten in einer Krise, und in einer solchen Situation ist eine solche Situation Gift“, sagte der DIW-Chef.
Der deutschen Bundesregierung rät der Ökonom dazu, mit kühlem Kopf zu reagieren. „Wenn es hier zu einem Wettlauf, zu einer Eskalation kommt von Drohungen und Gegendrohung, von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen, haben alle nur Schaden“, betonte Fratzscher. Nach Ansicht seines Kollegen Dennis Snower vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wächst für Deutschland die Verantwortung, als stabilisierender Faktor in der Welt zu wirken. „Deutschland hat mit der diesjährigen G-20-Präsidentschaft eine große Chance, mäßigend und vermittelnd auf die internationale Gemeinschaft einzuwirken und die Bedeutung globaler Kooperation zu unterstreichen“, sagte Snower. „Wenn es diese Rolle selbstbewusst ausfüllt, kann es auch für eine Regierung Trump ein unverzichtbarer und einflussreicher Gesprächspartner werden.“
Donald Trump wird heute, Freitag, als 45. US-Präsident vereidigt.